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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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AnschlussaneinenderkulturellenSalons inWien,nochfrequentierteer regelmä- ßig einschlägige Kaffeehäuser oder literarisch-kulturelle Zirkel, Gesellschaften undVereinigungen. Bourdieu begründet die vonManet ausgelöste ‚symbolischeRevolution‘mit dessenüberausgünstigerKapitalstruktur,die ihmeinengroßenHandlungsspiel- raum in den Feldern der sozialenWelt gestattete. Künstlerische Revolutionäre entstammenüblicherweise einemprivilegierten,wohlhabendenMilieu; auf den ersten Blick stelle dies ein „soziales Paradoxon“ dar, so Bourdieu. Doch die Durchbrechung althergebrachterWahrnehmungsmuster erfordere geradezu ein umfassendes Kapitalvolumen, das oft nurmit der affirmativen Verankerung in staatlichenStrukturenundbessergestelltenSozialschichtenzuakquirierensei.16 Hinzu kommt, dass Kreativität durch Wahrnehmungsveränderungen freige- setzt wird. Eine veränderte Perzeption ist in der Regel das Ergebnis von Kultur- transfers,17 indieauchSchaukalzurZeitder Jahrhundertwendeeingebundenwar. Informationen,Symbole,Praktiken,auchGegenständezirkulieren in„multiplexen Verfahren“,wodurchsieständigtransformiertundre-interpretiertwerden.18 Die multiplen Austauschbeziehungen führten bei Schaukal zwar zu keiner ‚symbolischen Revolution‘, kennzeichnen ihn aber als Vertreter der Wiener Moderne,die inbesondererWeisedurchTransferprozessegeprägtwar.Sowiedas JungeWienbewegte sich auchSchaukal in einemdynamischenNetzwerk künst- lerischer Austauschbeziehungen, das nachHelgaMitterbauer aus vier Dimensio- nen besteht: (1) Kulturtransferprozesse in Netzwerken überbrücken räumliche Distanzen, werden (2) von Akteuren oder Gruppen getragen, verlaufen (3) über einenicht linear oder chronologisch strukturierteDistanzund sind (4) vonunter- schiedlichensozialen,kognitivenoder ideellenKonstellationenundwechselhaften Machtformationengeprägt.19 Auf Schaukal übertragenbedeutet dies, dass erdie technisch-medialenwie infrastrukturellenMöglichkeiten nutzte, um sichmit künstlerischen Akteuren, Gruppen oder Institutionen in Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich- Ungarn,undvorallemdezidiert inWien,auszutauschen(1und2).DieTransfers waren von unterschiedlicher Dauer beziehungsweise wurden zum Teil auch nach Jahren der Unterbrechung wieder aufgenommen (3). Kognitive Verände- rungen spielten gerade für Schaukals Netzwerkagieren und seinen Austausch einewesentlicheRolle. LiterarischeBewunderung schlug inDistanzierungoder 16 Bourdieu:Manet,S. 24. 17 Vgl.Karl-HeinzBrodbeck:EntscheidungzurKreativität.Darmstadt1995. 18 HelgaMitterbauer:Dynamik–Netzwerk–Macht.KulturelleTransfers„ambesonderenBei- spiel“derWienerModerne. In:Ent-grenzteRäume,S. 109–130,hierS. 111. 19 Vgl.Mitterbauer:Dynamik–Netzwerk–Macht,S. 113. 242 ZusammenfassungderErgebnisse
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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