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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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Verachtung um, wenn gleichrangige oder anfangs sogar weniger erfolgreiche Akteure ihn im literarischen Feld ĂŒbertrafen. Vor allem sein Antisemitismus, verbale AusfĂ€lle und die Politisierung beeinflussten zunehmend Schaukals NetzwerkstrategienundHandlungsplĂ€ne(4). Die verĂ€ndertepolitischeSegmentierungderGesellschaft ab 1919, inderen kulturpolitischeProzesse sichSchaukal einbrachte, hemmte seinedichterische Entfaltung. SeinePosition inder sozialenWelt verschob sichvoneiner aktiven PartizipationamliterarischenFeldhinzueiner immerpassiverenRolle inallen Feldern: auch in den Bereichen Politik und Bildung, die er fĂŒr sich erobern wollte, blieb er nur mĂ€ĂŸig erfolgreich. Der einstige Vertreter des ‚L’art pour l’art‘ beteiligte sich schließlich sogar an der Auflösung der Autonomiebestre- bungen im kulturellen Feld, weil er dieses fĂŒr ideologische Zwecke zu nutzen begann(wiedie ideologischenAnthologiender1930er Jahrezeigen). SchaukalsHandlungenindenspĂ€terenJahrensindmitBourdieuals ‚sozia- les Altern‘ zu bezeichnen. Damit ist nicht vordergrĂŒndig der biologische Alte- rungsprozessgemeint, sonderndieAnapassungderWĂŒnscheundErwartungen an die objektiv gegebene Lage. Die Dialektik zwischen Disposition und Posi- tion, also zwischen Angestrebtem und Erreichtem,manifestiert sich exempla- risch inSchaukals 1934veröffentlichterAutobiographie, denBeitrĂ€gen zueiner Selbstdarstellung, die als Rechtfertigungsautobiographie im Zeichen sozialen Alternsgelesenwerdenkann: Vondem,was ich inden letzten Jahrengeschriebenhabe, istbisaufdie„Gedanken“, die Ende 1930 herauskamen, noch nichts in Buchform geborgen. Die Ungunst der VerhĂ€lt- nisse, wohl auch die Mißgunst der dazu Berufenen hat’s bisher verhindert. [. . .] Und meineschriftstellerischeTĂ€tigkeithatsichuntermDruckderwirtschaftlichenNotnurver- vielfacht. Die Ernte ist hoch gewachsen. Ich kann sie jederzeit verlassen. Siewird nicht verlorengehen.20 Im Zitat wird ersichtlich, was ‚soziales Altern‘ bei Schaukal bedeutet: er findet sich rĂŒckblickendmit nicht erreichten Zielen und Positionen im Lebenslauf ab odertĂ€uschtvor,diegegenwĂ€rtigeLebenssituationseiangemessenundgewollt.21 20 Schaukal:BeitrĂ€gezueinerSelbstdarstellung,S. 132. 21 Vgl.Bourdieu:Die feinenUnterschiede,S. 189. ZusammenfassungderErgebnisse 243
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Title
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Author
Cornelius Mitterer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
312
Categories
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