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Verachtung um, wenn gleichrangige oder anfangs sogar weniger erfolgreiche
Akteure ihn im literarischen Feld übertrafen. Vor allem sein Antisemitismus,
verbale Ausfälle und die Politisierung beeinflussten zunehmend Schaukals
NetzwerkstrategienundHandlungspläne(4).
Die verändertepolitischeSegmentierungderGesellschaft ab 1919, inderen
kulturpolitischeProzesse sichSchaukal einbrachte, hemmte seinedichterische
Entfaltung. SeinePosition inder sozialenWelt verschob sichvoneiner aktiven
PartizipationamliterarischenFeldhinzueiner immerpassiverenRolle inallen
Feldern: auch in den Bereichen Politik und Bildung, die er für sich erobern
wollte, blieb er nur mäßig erfolgreich. Der einstige Vertreter des ‚L’art pour
l’art‘ beteiligte sich schließlich sogar an der Auflösung der Autonomiebestre-
bungen im kulturellen Feld, weil er dieses für ideologische Zwecke zu nutzen
begann(wiedie ideologischenAnthologiender1930er Jahrezeigen).
SchaukalsHandlungenindenspäterenJahrensindmitBourdieuals ‚sozia-
les Altern‘ zu bezeichnen. Damit ist nicht vordergründig der biologische Alte-
rungsprozessgemeint, sonderndieAnapassungderWünscheundErwartungen
an die objektiv gegebene Lage. Die Dialektik zwischen Disposition und Posi-
tion, also zwischen Angestrebtem und Erreichtem,manifestiert sich exempla-
risch inSchaukals 1934veröffentlichterAutobiographie, denBeiträgen zueiner
Selbstdarstellung, die als Rechtfertigungsautobiographie im Zeichen sozialen
Alternsgelesenwerdenkann:
Vondem,was ich inden letzten Jahrengeschriebenhabe, istbisaufdie„Gedanken“, die
Ende 1930 herauskamen, noch nichts in Buchform geborgen. Die Ungunst der Verhält-
nisse, wohl auch die Mißgunst der dazu Berufenen hat’s bisher verhindert. [. . .] Und
meineschriftstellerischeTätigkeithatsichuntermDruckderwirtschaftlichenNotnurver-
vielfacht. Die Ernte ist hoch gewachsen. Ich kann sie jederzeit verlassen. Siewird nicht
verlorengehen.20
Im Zitat wird ersichtlich, was ‚soziales Altern‘ bei Schaukal bedeutet: er findet
sich rückblickendmit nicht erreichten Zielen und Positionen im Lebenslauf ab
odertäuschtvor,diegegenwärtigeLebenssituationseiangemessenundgewollt.21
20 Schaukal:BeiträgezueinerSelbstdarstellung,S. 132.
21 Vgl.Bourdieu:Die feinenUnterschiede,S. 189.
ZusammenfassungderErgebnisse 243
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Titel
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Autor
- Cornelius Mitterer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 312
- Kategorien
- Weiteres Belletristik