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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Einleitende Überlegungen24 Fülöp-Millers, für zeitgenössische sowjetische Kunsterscheinungen, insbeson- dere das Theater, zum Teil innovative Informationen bereitzustellen. Fülöp-Mil- ler zeichnete denn auch für die 1928 gleichfalls bei Amalthea erschienene Monografie Das russische Theater. Sein Wesen und seine Geschichte mit besonde- rer Berücksichtigung der Revolutionsperiode mitverantwortlich  – nebst Joseph Gregor, an dessen Beispiel Kurt Ifkovits in seinem die Sektion Theater und Musik eröffnenden Beitrag grundlegende Aspekte der Rezeptionsbeziehungen und des Interesses auch bürgerlicher Intellektueller und Institutionen an der sowjetischen Theatermoderne offenlegt. Gregor, der bereits durch seine biografi- sche Situation (kultureller Pendler zwischen Czernowitz und Wien, Interesse für performative Künste) eine gewisse Prädisposition für seine spätere Arbeit in der Theatersammlung der Österreichischen Nationalbibliothek einbrachte, darf als Schlüsselfigur für das Verständnis und die Formen des Zugangs zur russisch- sowjetischen Theatermoderne angesehen werden. Ifkovits arbeitet heraus, wie intensiv sich Gregor seit 1923–24 mit den aktuellen Entwicklungen auseinander- setzt, deren erstes Resultat die von ihm kuratierte Parallelausstellung zur Inter- nationalen Ausstellung neuer Theatertechnik (1924) in der Albertina war. Im Unterschied zu anderen, stärker eurozentrisch geprägten Darstellungen grün- den sich Gregors mitunter eigenwillig anmutenden Überlegungen auf ein tiefe- res Verständnis der russischen Kunst- und Kulturentwicklung. Dies erlaubt ihm die Theaterentwicklung nicht allein aus der Perspektive des Gegensatzes von vor- und nachrevolutionären Rahmenbedingungen, sondern diese als fast natür- liche Überführung symbolistischer Ansätze in eine revolutionskompatible, kon- zentriert elementare Formensprache zu begreifen, zum Beispiel in Stanislavskijs angewandten Symbolismus, in das ›entfesselte Theater‹ Tairovs sowie in das ›dynamische‹ beziehungsweise ›biomechanische‹ Mejerhol’ds. Gregor dient Ifko- vits aber auch als Modellfall für die kontrastierende und komparative Paralleli- sierung des Russland-Diskurses mit dem des zeitgenössischen Amerika und für die Schwierigkeiten, die sich im Zuge der innenpolitischen Polarisierung in Österreich seit 1927 auf der Ebene offizieller Kontakte, zum Beispiel im Zuge von Ausstellungsprojekten, einstellten. Neben den prominenten Exponenten der russisch-sowjetischen Theatermoderne beziehungsweise -avantgarde existierte auch die in den 1920er Jahren europaweit rezipierte Kleinkunst-Szene. Ihr wid- met sich Barbara Lesák, wobei sie zunächst an das Moskauer Künstlertheater und Stansilavskij anknüpft, ferner an die Tanz- und Ballett-Tradition der Ballets Russes sowie an vorwiegend im Pariser Exil wirkende Künstler wie zum Beispiel Natalija Gončarova. Die Wiener Tourneen des Moskauer Künstlertheaters zähl- ten ungeachtet ihrer wechselnden Zusammensetzungen zu den Theaterereignis- sen in den frühen 1920er Jahren schlechthin, also lange bevor ein offizieller
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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