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Vera Faber
Neues Bauen in einem Neuen Wien?
Österreich und der sowjetische Konstruktivismus
Abstract: The following contribution explores relations between Austrian and Russian
contemporary concepts in architecture and living space planning. Regardless of more
intensive exchanges with German colleagues, Richard Neutra was one of the few architects
perceived also in Soviet Union, but rather as an “American” for he lived in the United States
since 1923. Margarethe
Schütte-Lihotsky and her minimalistic-functionalist ideas will also
be compared to Russian concepts.
1 Einleitung
In den 1920er Jahren zählte die Internationalisierung der Kunst zu den wich-
tigsten Grundsätzen der Avantgarde. Die bereits vom Futurismus proklamierte
Überschreitung von Gattungsgrenzen (Intermedialität) wurde im Konstrukti-
vismus durch die Internationalität, die Transgression von sprachlichen, kultu-
rellen und politischen Grenzen, ergänzt. Der Konstruktivismus war somit die
erste Strömung der Avantgarde, die dezidiert versuchte, Künstler aus Ost und
West in einen produktiven wechselseitigen Diskurs und Austausch zu bringen.
Das westeuropäische1 Ausland wurde in der Sowjetunion vor allem in der Zwi-
schenkriegszeit intensiv rezipiert. Auch in der Architektur sorgte die Vernet-
zung der konstruktivistischen Gruppierungen dafür, dass es zu einem lebhaften
Austausch zwischen Ost und West kam, sodass der russische Konstruktivismus
einen bedeutenden Einfluss auf westeuropäische Strömungen hatte, die umge-
kehrt wiederum auch in Russland rezipiert wurden. Neben der international
relativ bekannten russischen Zeitschrift Sovremennaja Architektura (dt. Archi-
tektur der Gegenwart), die zwischen 1926 und 1930 in Moskau erschien, nah-
men sowjetukrainische Avantgarde-Zeitschriften im Kontext der Rezeption
westeuropäischer Avantgarden ebenfalls eine wichtige Rolle ein. Im Gegensatz
zu anderen europäischen Metropolen wurde Wien in sowjetischen Medien
jedoch nur marginal wahrgenommen. Aus Sicht vieler sowjetischer Künstler
konnte sich Wien kaum als Teil des internationalen Netzwerks positionieren,
1 Die (rhetorische) Trennung Europas in „Ost-“ und „Westeuropa“ war in der Zwischen-
kriegszeit in Kunst und Literatur stark präsent.
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Title
- Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
- Subtitle
- Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Author
- Primus-Heinz Kucher
- Editor
- Rebecca Unterberger
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-631-78199-9
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 466
- Category
- Kunst und Kultur