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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Vera Faber330 und die österreichische Avantgarde blieb in Bezug auf ihre Wahrnehmung in der Sowjetunion nur eine Erscheinung am Rand.2 In Wien erfolgte die Präsentation von Werken russischer Konstruktivisten, Futuristen und Suprematisten primär durch die ungarische Exil-Zeitschrift MA, die von Lajos Kassák herausgegeben wurde. Das 1922 von Kassák gemeinsam mit László Moholy-Nagy publizierte Buch Neuer Künstler stellte eine weitere Möglichkeit dar, die Entwicklungen der neuesten sowjetischen Kunst auch in Wien zu verfolgen. Obwohl die Avantgarde in Wien mit Künstlern wie Oskar Kokoschka bereits früh einen wichtigen Ausgangspunkt genommen hatte, wird sie bis dato kaum wahrgenommen, wohingegen Italien (Futurismus), Frankreich (Kubismus, Dadaismus, Surrealismus etc.) oder die Weimarer Republik (Bauhaus, Dadais- mus etc.) als Zentren der Avantgarde gelten. Im Kontext der bildenden Kunst lässt sich der Wiener Kinetismus als eine der wenigen explizit avantgardistisch ausgerichteten österreichischen Strömungen identifizieren, die eine Anbindung an das internationale Netzwerk der Avantgarden suchte und der dies auch im Ansatz gelang. Seit den ausklingenden 1920er Jahren kam es sowohl in der bildenden Kunst als auch in der Literatur zu einer weitgehenden Abkehr von ursprünglich avantgardistischen Prinzipien; die experimentell-offene Ausrich- tung der frühen Phase wurde im Konstruktivismus in hohem Maße zugunsten einer funktional-sachlichen Zweckorientiertheit aufgegeben. 2 Österreich und das „Neue Bauen“ Die Architektur, deren Relevanz in mehreren Proklamationen des Konstrukti- vismus fest verankert war, entwickelte sich in den 1920er Jahren zu einer der wichtigsten Kunstformen innerhalb der meisten konstruktivistischen Vereini- gungen. Der niederländische Konstruktivist und Mitbegründer der Vereinigung De Stijl Piet Mondrian beklagte gar eine generelle Überbewertung der Architek- tur, der gegenüber andere Kunstformen wie die Malerei einen minderwertigen 2 Und dies, obwohl es mehrere Großereignisse gab, die sehr wohl für eine zumindest teilweise Integration Wiens in das Netzwerk der Avantgarden sorgten. Hier sei der „Internationale Wohnungs- und Städtebaukongress“ (1926) ebenso erwähnt wie der „Jahreskongress des deutschen Werkbundes“ (1930) oder die Internationale Theater- ausstellung neuer Theatertechnik (1924); zur Bedeutung der Theaterausstellung für die Ausstrahlung der österreichischen Avantgarde vgl. Arturo Larcati:  Zur Rezeption des italienischen Futurismus in Wien während der 1920er und 1930er Jahre. In:  Primus- Heinz Kucher (Hg.):  Verdrängte Moderne  – vergessene Avantgarde. Diskurskons- tellationen zwischen Literatur, Theater, Kunst und Musik in Österreich 1918–1938. Göttingen:  V&R Unipress 2016, S.  95–115, bs. S.  100–106.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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