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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Österreich und der sowjetische Konstruktivismus 331 Status einnehmen würden.3 In der Sowjetunion zählte die Architektur zudem zu jenen Bereichen der Avantgarde, in denen die Arbeit trotz zunehmender Repres- sionen noch relativ ungehindert fortgesetzt werden konnte.4 Anders als andere Kunstformen bot die Architektur Möglichkeiten, die Ideen der Revolution auch tatsächlich  – zum Nutzen der Gesellschaft  – in die Lebenspraxis überzuführen und nicht ausschließlich auf theoretischer Ebene zu reflektieren.5 Die Innovationen des „Neuen Bauens“ zeigten in Österreich erst relativ spät einen  – zudem deutlich abgeschwächten  – Niederschlag, der vor allem mit der Werkbundsiedlung auch in der zu Beginn der 1930er Jahre entstandenen städte- baulichen Praxis Spuren hinterließ. Der Österreichische Werkbund6 war zwar am engsten mit den neuen und revolutionären Ideen verbunden, differierte aller- dings im Hinblick auf die Konzeption sowie die architektonische Praxis von den konstruktivistischen Strömungen. Mit Bauhaus, L’Esprit Nouveau, Russischem Konstruktivismus und De Stijl entwickelten sich Berlin (resp. Weimar und Des- sau), Paris, Moskau und Amsterdam zu wichtigen Zentren der konstruktivisti- schen Architektur. In ehemaligen Gebieten des Habsburgerreiches stießen die 3 Vgl. Piet Mondrian:  Muß Malerei der Architektur gegenüber als minderwertig gelten? In:  Wolfgang Asholt/Walter Fähnders (Hgg.):  Manifeste und Proklamationen der europäischen Avantgarde (1909–1938). Stuttgart–Weimar:  Metzler 2005, S.  308. 4 Ab Mitte der 1920er Jahre war die Avantgarde sowohl in Ost als auch in West mit zunehmenden Einschränkungen konfrontiert:  Das Bauhaus sah sich 1925 aufgrund politischer Schikanen zu einer Übersiedlung von Weimar nach Dessau gezwungen und musste 1932, zu dieser Zeit bereits in Berlin, endgültig schließen. Viele deutsche Architekten, darunter auch Ernst May und Bruno Taut, emigrierten in den 1930er Jahren (meist vorübergehend) in die Sowjetunion; zur Geschichte des Bauhauses vgl. den Eintrag im Bauhaus-Archiv u.d.T. „1919–1933“. Online unter:  http://www. bauhaus.de/de/das_bauhaus/48_1919_1933/ (letzter Zugriff:  5.  Juli2016). In der Sow- jetunion war das Ende der Avantgarde wesentlich mit der Machtübernahme Stalins verbunden, 1932 folgte schließlich mit einem Erlass des Zentral-Komitees nicht nur die Auflösung aller Künstlervereinigungen, sondern auch das Ende der Avantgarde (vgl. Boris Groys:  Gesamtkunstwerk Stalin. Die gespaltene Kultur der Sowjetunion. Aus dem Russischen von Gabriele Leupold. München:  Carl Hanser 1996, S.  39). 5 Die vielfach geäußerte Kritik an den Avantgarden zielt, auch bei Bürger, auf die man- gelnde Überführung der Kunst in die Lebenspraxis ab, die als primäre Ursache für das Scheitern des Projekts Avantgarde gesehen wird (vgl. Peter Bürger:  Theorie der Avantgarde. Frankfurt a.M.:  Suhrkamp 1974, S.  78). 6 Der Österreichische Werkbund formierte sich 1912 als Künstler- und Architekten- vereinigung, die den Fokus auf die Synthese von bildender Kunst, Architektur und Handwerk legte. Zum Österreichischen Werkbund vgl. z.B. Marlene Ott-Wodni:  Josef Frank 1885–1967:  Raumgestaltung und Möbeldesign. Wien u.a.:  Böhlau 2015, S.  94ff.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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