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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Österreich und der sowjetische Konstruktivismus 339 Die vermeintlich „frappanten Analogien“  – im Beitrag ist gar von „Bewunde- rung“ („admiration“) die Rede  – spiegelten sich jedoch bei der konstruktivistisch ausgerichteten OSA (Ob’edinenie Sovremennych Architektorov), der Ver- einigung zeitgenössischer Architekten, als deren Sprachrohr die bereits zuvor erwähnte Zeitschrift Sovremennaja Architektura fungierte, nicht adäquat in der theoretischen Auseinandersetzung wider. Dass eine 1926 in der Zeitschrift ver- öffentlichte Umfrage zum „flachen Dach“ auch österreichische Architekten als wichtige Vertreter des „Neuen Bauens“ anführte, stellte wie bereits der Beitrag zu den Gemeindebauten eine Ausnahme dar. Josef Frank und Josef Hoffmann, die als leitende Mitglieder des Österreichischen Werkbundes zu den wichtigsten österreichischen Architekten der Zwischenkriegszeit zu zählen sind, scheinen in der Umfrage neben J.  L. P.  Oud (Rotterdam), Le Corbusier (Paris) sowie den in Berlin tätigen Architekten Bruno Taut, Franz Hoffman, Ludwig Hilbersheimer, Peter Behrens und Erich Mendelsohn als Teilnehmer auf.39 Bei der Befragung handelte es sich allerdings keineswegs  – wie sich anhand des Beitrags vermuten ließe  – um ein sowjetisches Unterfangen, sondern um eine von Gropius und dem Bauhaus durchgeführte „Rundfrage an deutsche Architekten“ zur techni- schen Realisierbarkeit von Flachdächern, die in der russischen Zeitschrift ohne Quellenangabe wiedergegeben wurde.40 Die Ergebnisse machen der Sovremennaja Architektura-Redaktion zufolge deutlich, dass den Fragen nach dem Material in Westeuropa ein großer Stel- lenwert zukomme. Aufgrund der besonderen klimatischen Bedingungen sei die Auswahl des Materials in Russland jedoch besonders sensibel zu treffen. Josef Frank nennt ein von ihm selbst konstruiertes Gebäude als Beispiel für die 39 Vgl. D. Markov:  Anketa. O ploskoj kryše [Umfrage. Zum flachen Dach]. In:  Sovre- mennaja Architektura, Nr.  4/1926, S.  98–103, hier S.  98. Walter Gropius, ein wichtiger Proponent des Flachdaches, scheint in der Umfrage deshalb nicht auf, da er diese selbst initiiert hatte. 40 Gropius führte die Umfrage in seiner Funktion als Direktor des Bauhauses durch. Die Ergebnisse wurden erstmals 1926 in der Zeitschrift Bauwelt publiziert. Öster- reichische Architekten sind im Original übrigens prominent an erster Stelle der aus- ländischen Rückmeldungen angeführt, während die Antworten der holländischen (z.B. J.J.P. Oud) sowie französischen (Le Corbusier) Teilnehmer erst später folgten und auch weniger umfangreich ausfielen; vgl. Walter Gropius:  Das flache Dach:  inter- nationale Umfrage über die technische Durchführbarkeit horizontal abgedeckter Dächer und Balkone. In:  Bauwelt, Nr.  8/1926, S.  162–198, Nr.  9/1926, S.  223–227, Nr.  14/1926, S.  322–324, Nr.  16/1926, S.  361f. Der russische Text gibt die Ergebnisse des Bauhauses übrigens weitgehend identisch wieder, ohne dies mit einer Quelle zu belegen.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹