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gelungene Umsetzung von Flachdächern, was im Beitrag mit detailreichen Kons-
truktionsskizzen untermauert wird.41 Sowohl die typografische Gestaltung als
auch der Umfang der jeweiligen Antworten machen deutlich, welche Relevanz
den jeweiligen Architekten vonseiten der Sovremennaja Architektura zugestan-
den wurde: Während Josef Hoffmanns Beitrag, der für das Flachdach jedenfalls
den Einsatz von Zink empfiehlt, lediglich als kurze Randnotiz erscheint,42 nimmt
die Rückmeldung Le Corbusiers mit knapp zwei Seiten mehr Raum als alle ande-
ren ein und wird zudem in einer deutlich größeren Schrift gesetzt.43
Die – in diesem Fall über die Gestaltung transportierte – Zuweisung von
Relevanz resp. Marginalität wird von der OSA auch im Rahmen der Ersten Aus-
stellung der Zeitgenössischen Architektur (russ. Pervaja vystavka sovremennoj
architektury) fortgesetzt, die 1927 in Moskau stattgefunden hat und neben der
Stuttgarter Schau zur Weißenhofsiedlung zu den wichtigsten internationalen
Foren für das „Neue Bauen“ zählt. Während in Moskau Aussteller aus Deutsch-
land, Holland, Polen, Frankreich, Belgien und der Schweiz als wichtigste Vertre-
ter der internationalen konstruktivistischen und funktionalistischen Architektur
präsentiert wurden, war kein österreichischer Architekt an der Ausstellung betei-
ligt.44 Umgekehrt sollte es wiederum in Wien, wo 1926 der Internationale Woh-
nungs- und Städtebaukongress stattfand, den offiziellen Vorberichten zufolge
zumindest planmäßig zu keiner russischen Partizipation kommen.45 Ungeachtet
dessen berichtete die Sovremennaja Architektura davon, dass die OSA während
des Kongresses Strategien „im Kampf um die Beseitigung der Wohnungsnot, die
Schaffung von gesunden und normalen Lebensbedingungen sowie die Stärkung
des Neuen Lebens“46 vorgebracht hätte.
41 Vgl. D. Markov: Anketa. O ploskoj kryše [Umfrage. Zum flachen Dach]. In: Sovre-
mennaja Architektura, Nr.
4/1926, S. 98–103, zit. S. 101.
42 Vgl. ebd., S. 100.
43 Vgl. ebd., S. 102f.
44 Für einen vollständigen Überblick über die Aussteller vgl. Zygas, OSA’s 1927 Exhibi-
tion, S. 102.
45 Die Teilnehmer setzten sich eher aus Funktionsträgern als aus Ingenieuren bzw.
Architekten zusammen (vgl. Internationaler Verband für Wohnungswesen, Städte-
bau und Raumordnung (Hg.): Internationaler Wohnungs- und Städtebaukongress.
Wien 1926. Vorberichte 1. Wien: Vorwärts 1926).
46 Im russischen Original: „в борьбе за изжитие жилищной нужды, создание
здоровых нормальных словий жизни и укрепление нового быта.“ (Goergij Veg-
man: Ukrupnennoe žil’e/Vergrösserte Wohnungen. In: Sovremennaja Architektura
Nr. 1/1927, S. 12–19, zit. S. 14).
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Title
- Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
- Subtitle
- Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Author
- Primus-Heinz Kucher
- Editor
- Rebecca Unterberger
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-631-78199-9
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 466
- Category
- Kunst und Kultur