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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Russland-Diskurse in der Zeitschrift Sowjet 365 das höchste, die Quelle der Kultur und des Reichtums“56 feiert und den sozial- politischen Machtanspruch des Arbeiters betont. Und der deutsche Kommunist Josef Eisenberger leitet in seinem Artikel über „Die Wirtschaftspolitik der rus- sischen Kommunisten“ aus dem Schaffen der Arbeiter ihren Besitzanspruch an den Fabriken und Bodenschätzen ab, was beinahe wörtlich mit der Forderung von Kaus’ proletarischem Protagonisten korreliert, den Fabrikarbeitern die Fab- rik zu schenken.57 Kaus’ Protagonist Alois ist der uneheliche Sohn des Fabrikanten Ferdi- nand Kühnes, der seinen Reichtum durch die Ausbeutung bosnischer Arbeiter begründet hat, und des Bauernmädchens Johanna, die am Bau einer der Fabri- ken Kühnes ihren ärmlichen Lebensunterhalt verdient. Der aufgeweckte Alois wächst im idealistisch-naiven Glauben an ein glückliches Arbeiterleben heran und steht der Unzufriedenheit der älteren Fabrikarbeiter zunächst verständnis- los gegenüber. Die Welt außerhalb der Fabrikmauern ist ihm fremd, seinen Vater imaginiert er „als den allerkräftigsten, allertüchtigsten Arbeiter, den es gab“.58 Als Zwölfjähriger verlässt er die Schule und tritt ebenfalls in die Fabrik ein, um Geld zu verdienen. Erste Zweifel in seiner Weltanschauung überkommen ihn bei einer Besichtigung der Fabrik durch Kühne:  Alois’ Vorstellung von seinem Vater als dem ersten Arbeiter der Fabrik wird durch dessen schwächliche und verweichlichte Erscheinung bitter enttäuscht. Bei einer Unterredung mit Kühne macht Alois diesem den Vorschlag, den Arbeitern die Fabrik als Geschenk zu überlassen. Kühne dagegen schlägt Alois vor, ein Studium der Nationalökono- mie zu absolvieren, um dann gemeinsam Reformen für die Verbesserung der Situation der Arbeiter durchzuführen. Beim Verlassen des väterlichen Hauses fällt Alois vor einem Altar von Riemenschneider auf die Knie  – zur großen Ver- wunderung des Fabrikantenehepaars, für das der Altar vor allem ein Kunst- gegenstand zu Repräsentations- und nicht zu Gebetszwecken ist. Die Wandlung folgt nun etwas abrupt:  Desillusioniert fasst Alois den Beschluss, mithilfe des Geldes seines Vaters ein Studium zu absolvieren, um seine Reformpläne eines Tages umsetzen zu können, doch gleichzeitig weiß er, dass er sich von seinen idealistischen Vorstellungen einer sozial gerechten Welt verabschieden muss. 56 Fredrik Ström:  Weltrevolution oder Weltreaktion. In:  Sowjet, H.  7/1920, S.  1–22, zit. S.  12. 57 J[osef] Eisenberger:  Die Wirtschaftspolitik der russischen Kommunisten. In:  Sowjet, H.  10–11/1920, S.  33–45. 58 Andreas Eckbrecht [d.i. Gina Kaus]:  Der Altar. In:  Sowjet, H.  5/1919, S.  23–40, zit. S.  29.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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