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Stefan
Simonek370
Blättern trat nach dem Auseinanderbrechen der Donaumonarchie als weitere
eindeutig ideologisch ausgerichtete Tageszeitung ab dem Jahr 1919 die Rote
Fahne als Zentralorgan der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). Deren
Vorgängerin war Die Soziale Revolution, die am 26. Juli 1919 erstmals als Die
Rote Fahne – mit einem Foto von Karl Liebknecht auf der Totenbahre als Auf-
macher – erschien.3 Die dem Titel nach an der gleichnamigen Tageszeitung
der Kommunistischen Partei Deutschlands orientierte Rote Fahne4 wurde nach
anfänglich viertägiger Erscheinungsweise seit dem 16. September 1919 täglich
herausgegeben.
Als Folge der politischen Konflikte in den dreißiger Jahren stand die Zeitung
von März bis Juli 1933 unter Vorzensur und danach kurz unter verschärfter
Vorlagepflicht, ehe sie am 10. Juli mit Kolportageverbot belegt wurde; spätere
Ausgaben konnten daher nur unregelmäßig und im Ausland, etwa in der Tsche-
choslowakei, erscheinen.
Eine systematische Durchsicht sämtlicher Jahrgänge5 würde den Rahmen
dieses Beitrags sprengen. Dies scheint freilich insofern nicht notwendigerweise
geboten, als sich eine denkbare Hypothese sehr rasch falsifizieren lässt: die
weiter auch Susanne Schimek:
Die russische Literatur in den Zeitschriften der öster-
reichischen Moderne. Hausarbeit Univ. Wien 1970; für die einschlägige Rezeption
nach 1945 vgl. Christine Engel: Die Rezeption russischsprachiger Literatur in der
österreichischen Tagespresse (1980–1990). Innsbruck:
Verlag des Instituts für Sprach-
wissenschaft der Universität Innsbruck 1994, sowie Sarah Schmelzer:
Die Rezeption
russischer Literatur in „Standard“ und „Presse“ (1998–2002). Diplomarbeit Univ.
Wien 2004; zur Rezeption sowjetischer Kinder- und Jugendliteratur vgl. Gertraud
Marinelli-König: „Internationalismus“ im Feld der Übersetzung von Kinder- und
Jugendliteratur der Zwischenkriegszeit. In: Libri liberorum, Nr. 40/2012, S. 5–12.
3 N.N.: Karl Liebknecht auf der Totenbahre. In:
Die Rote Fahne [fortan:
RF] (26.7.1919),
S.
1. Als Gründe für die Änderung des Namens nennt Gerhard Selber die Angleichung
an das Organ der deutschen Bruderpartei sowie eine Mitte des Jahres 1919 erfolgende
taktische Neuausrichtung der kommunistischen Partei, nachdem sich die Aussichten
auf eine erfolgreiche Revolution im Nachkriegsösterreich verschlechtert hatten (vgl.
Alfred Schwarz:
Die kommunistische Tagespresse in den Gründungsjahren der ersten
österreichischen Republik. Dissertation Univ. Wien 1988, S. 127).
4 Vgl. die entsprechenden Angaben in: N.N.: Die Rote Fahne (Österreich). Online
unter:
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Rote_Fahne_(Österreich); vgl. Gerhard Sel-
ber: Parteilinie oder Blattlinie: die Zentralorgane der beiden Arbeiterparteien von
1918–1933. Diplomarbeit Univ. Wien 1991, S.
113–131.
5 Über die Datenbank „ANNO“ der „Österreichischen Nationalbibliothek“ sind die
einzelnen Ausgaben der Roten Fahne online abrufbar, wobei Die Soziale Revolution
hier bereits unter die Rote Fahne subsumiert ist.
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Title
- Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
- Subtitle
- Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Author
- Primus-Heinz Kucher
- Editor
- Rebecca Unterberger
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-631-78199-9
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 466
- Category
- Kunst und Kultur