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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Russische Literatur in der Roten Fahne 375 Am 13.  August  1921 reagierte denn auch der mit seiner Frau Zinaida Gippius nach Paris emigrierte Dmitrij Merežkovskij auf Gor’kijs Ersuchen, indem er in der in Paris erscheinenden Zeitung Obščee delo (dt. Die gemeinsame Sache) einen mit „Wiesbaden, am 1.  August  1921“ datierten Brief an Hauptmann veröffent- lichen ließ.18 Merežkovskij deutet in seinem mit Zitaten und Paraphrasen aus der Bibel unterfütterten Schreiben die Bolschewiken in religiöser Weise als Mächte des Bösen,19 Gor’kij selbst als hinterlistigen Feind des russischen Volkes, dem man kein Vertrauen schenken dürfe, und die Hungersnöte als zielgerichtet ein- gesetztes Mittel der politischen Unterdrückung durch die neuen Machthaber. Im Artikel der Roten Fahne wird nun in polemischer Absicht folgende Passage aus Merežkovskijs Brief in einer deutschen Übersetzung zitiert, die allem Anschein nach eigens für den Bericht angefertigt worden ist:20 […] не свергнув советской власти, ничем нельзя помочь миллионам гибнущих людей, так же, как удавленному петлею ничем нельзя помочь, не вынув шеи из петли. […] А правда та, что не только эти миллионы русских людей гибнут от голода, но весь русский народ с ними. Да, весь. Совершается злодейство, от начала мира небывалое:  великий народ убивает кучка злодеев и все остальные народы умывают руки или помогают убийцам.21 „Ehe man nicht die Räterepublik gestürzt hat,“ schreibt Mereschkowsky, „kann man den Millionen der zugrundegehenden Menschen ebensowenig helfen, wie einem Erhenk- ten, ehe man seinen Hals aus der Schlinge befreit hat. … Die Wahrheit ist, daß nicht nur diese Millionen von Russen Hungers sterben, sondern auch das ganze russische 18 Zum Motiv der Atlantiden im Werk Merežkovskijs und Hauptmanns vgl. G. A. Time:  Dve „Atlantidy“ (G. Gauptman i D.  Merežkovskij:  neprednamerennyj dialog). In:  Russkaja literatura, Nr.  1/1991, S.  111–133. 19 Dieser Zugang korrespondiert augenfällig mit Merežkovskijs ebenfalls 1921 in deut- scher Übersetzung in München erschienenen Schrift Das Reich des Antichrist:  Russ- land und der Bolschewismus. 20 Zur Rezeption Merežkovskijs in Deutschland vgl. die bibliographischen Abgaben in:  Werner Schweikert:  Die russische Literatur und die Literaturen der früheren Sow- jetrepubliken in deutscher Übersetzung. Eine Übersicht über deren Rezeption in deutscher Sprache. Teil I:  1880–1965. Flein b.  Heilbronn:  Verlag Werner Schweikert 2003, S.  27 bzw. 53f. 21 D.S. Merežkovskij:  Carstvo antichrista. Stat’i perioda ėmigracii. Pod obščej redakciej A.N. Nikoljukina. Sankt-Peterburg:  Izdatel’stvo Russkogo Christianskogo guman- nitarnogo instituta 2001, S.  164f. Laut Durrant blieb der Brief unveröffentlicht (vgl. Durrant, Unpublished Letter, S.  127); dies widerspricht freilich den Angaben in der zuvor angeführten Ausgabe von Merežkovskijs Schriften. Zudem wäre dann schwer zu erklären, wie die Rote Fahne an das Schreiben gelangen und es auszugsweise in deutscher Übersetzung veröffentlichen konnte.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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