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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Martin Erian402 vergleichbaren Fahrt einer Delegation der Weimarer Republik  – nach Moskau.66 Im Lichte des sozialistischen Aufbaus erhielten insbesondere Berichte aus sow- jetischen Großfabriken bereits vor Körbers „Tagebuch-Roman“ aus den Putilow- Werken einen neuen Stellenwert. Paradigmatisch verbindet die Reportage eines Arbeiters aus Nischni Nowgorod Sachinformation mit einem revolutionären Aufruf an das heimische Proletariat:  „Arbeiter und Bauern Oesterreichs! Nur der Sozialismus und das Sowjetsystem kann [sic] euch retten! Es lebe Sowjetös- terreich! Es lebe die Kommunistische Partei!“67 In den Jahren der Weltwirtschaftskrise dienten Darstellungen des proletari- schen Alltags in der Sowjetunion vor allem der propagandistischen Kontrastie- rung zweier Wirtschaftssysteme. In der Sowjetunion, so der Tenor, sichere die staatlich kontrollierte Wirtschaft die soziale Sicherheit der Arbeiter. So berich- tete Alexander Vajda, von Beruf Weber und Mitglied des BPRSÖ, von seinem raschen Aufstieg in Moskau unter dem symptomatischen Titel:  „Hier kommt jeder vorwärts!“68 Als publizistische Strategie hervorzuheben sind zudem (wohl) fingierte Briefwechsel, etwa zwischen einem nach Dnjeprostroj ausgewanderten und einem in Wien verbliebenen Arbeiter, der infolge der Krise seine Stellung verloren hat und mittlerweile ausgesteuert worden ist. „Bei euch ist Arbeit und Leben, bei uns ist Stillstand“, so der Wiener, der die sozialdemokratischen Füh- rer kritisiert. Diese „erzählen allerhand über die Sowjetunion, aber sie schimp- fen dabei recht fleißig und verdrehen alle Wahrheiten. Denn sie haben Angst vor der großen Wirklichkeit“.69 66 Vgl. z.B. N.N.:  Unsere Arbeiterkorrespondenten in Sowjetrußland. In:  RF (17.7.1928), S.  3; N.N.:  Von der Rußlandreise unserer Arbeiterkorrespondenten. In:  RF (26.8.1928), S.  5f. 67 R.K.:  Oesterreichische Arbeiter schreiben über den sozialistischen Aufbau. Im roten Industriezentrum Nischni-Nowgorod. In:  RF (19.10.1930), S.  8; vgl. auch:  Erwin Baumer:  Sowjetunion baut die grösste Autofabrik der Welt. In:  RF (26.10.1930), S.  9. 68 Alexander Vajda:  „Hier kommt jeder vorwärts“. Brief eines österreichischen Tex- tilarbeiters aus der Sowjetunion. In:  RF (20.10.1932), S.  7; vgl. dazu auch:  Franz Genser:  Ins Land der befreiten Arbeit. In:  RF (19.6.1932), S.  9; Oskar [d.i. Oskar Grossmann?]:  … ins rote Rußland. Vierzehn Arbeiter wandern in die Sowjet- union aus. In:  RF (20.6.1931), S.  5; Paul Henke:  Meine Wahl in den Sowjet. In:  RF (13.8.1932), S.  7. 69 N.N.:  Zwei Briefe. In:  RF (3.6.1933), S.  13. Dieses Modell der Lebenswelten kontras- tierenden Arbeiterbriefe wurde wiederholt angewendet, vgl. auch:  N.N.:  14 Jahre pro- letarische Diktatur. Oesterreichische Arbeiter schreiben aus dem Sowjetland. In:  RF (12.11.1931), S.  8.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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