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Katharina die Große in Literatur, Theater und Film 429
die New
York Times.23 Diesen beiden Stummfilmen folgten 1934 zwei internatio-
nal aufsehenerregende Filmproduktionen: zum einen die englische Verfilmung,
die Paul Czinner als Regisseur unter der Gesamtleitung von Alexander Korda
realisierte und Elisabeth Bergner, Douglas Fairbanks Jr. und Flora Robson als
Darsteller aufbot;24 zum anderen The Scarlett Empress, eine Paramount-Produk-
tion nach den Tagebüchern Katharinas, die der amerikanische Drehbuchautor
Manuel Korloff für den Film bearbeitet hatte.
2 Katharina die Große in der europäischen Literatur
– ein Exkurs
im Gender-Kontext
Die faszinierende und vielschichtige Persönlichkeit von Katharina hat nicht nur die
Geschichtswissenschaft interessiert, sondern auch in der europäischen Literatur-
geschichte und in der internationalen Filmkunst Spuren hinterlassen. Das Porträt
der Zarin von Russland zeigt sich dabei fast immer anders, vielschichtig und voller
Ambivalenz, wie dies auch ihrer historisch belegten Persönlichkeit zu entsprechen
scheint.
Schon 1913 verfasst der englische Dramatiker George B.
Shaw mit Great Cathe-
rine eine theatralische Skizze in vier Szenen, in der die kulturelle Gegenüberstellung
zwischen dem Osten und dem Westen, das heißt zwischen Russland und Deutsch-
land/England, zwischen Katharinas Herkunftsland und ihrer Wahlheimat durch
Katharinas Gegenliebe zu Potëmkin thematisiert wird. Die kulturelle Gegenüber-
stellung basiert auf der als zivilisiert gezeichneten deutschen Gesellschaft und der
noch barbarischen, gewaltgeprägten russischen Lebensart, die Potëmkins Persön-
lichkeit deutlich verkörpert:
Potemkin erscheint als ein heftiger brutaler Barbar, ein emporgekommener Despot von
der unerträglichsten, gefährlichsten Sorte; häßlich, faul und abstoßend in seinen Manie-
ren. Und doch schildern die Gesandten ihn als den tüchtigsten Mann in Rußland, als
23 Vgl. Mordaunt Hall: The Screen. Online unter: http://www.nytimes.com/
movie/review?res=9905E7DF113BE233A25754C1A9679D946595D6CF (letzter
Zugriff: 20.12.2016).
24 Die Österreichische Film-Zeitung berichtete von der Uraufführung im Leicester Square
Theatre als „glanzvolle[m] gesellschaftliche[n] Ereignis“; die Wiener Kinos über-
nahmen den Film in der deutschsprachigen Fassung noch im Sommer 1934 (N.N.
In:
Österreichische Film-Zeitung (24.2.1934) S.
4). Eine ausführliche hymnische Kri-
tik findet sich in der Ausgabe vom 10.3.1934 (S. 2).
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Title
- Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
- Subtitle
- Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Author
- Primus-Heinz Kucher
- Editor
- Rebecca Unterberger
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-631-78199-9
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 466
- Category
- Kunst und Kultur