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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Katharina die Große in Literatur, Theater und Film 433 in ihrer ambivalenten patriarchalisch-mütterlichen Anstrengung nach Umfor- mung der russischen Volksseele, zu deren Inkarnation sie sich selbst nach dem geglückten Staatsstreich modellierte:  „Katharina ist kein Mannweib; sie ist eine Frau mit einem männlichen Leitideal, aber durch und durch eine Frau“.36 Diese Gender-Identität wurzelt laut Kaus in Katharinas konfliktbeladener provinzieller Vergangenheit als ungeliebte und vernachlässigte Tochter37 beziehungsweise als zunächst Opfer, dann indirektes Produkt einer opportunistischen Mutter, deren einziger Lebenszweck im sozialen Aufstieg der Familie durch Eintritt in den Zir- kel der europäischen Machtpolitik besteht: Es ist der Höhepunkt ihres Lebens. Sie ist erst einunddreißig Jahre alt, all ihre glühenden Erwartungen an das Leben, all ihre Sehnsucht nach Größe und Ruhm, all ihre Wünsche nach Abenteuer und Aktivität sind bisher unerfüllt geblieben. Nach fünfzehnjähriger Ehe, in der sie fünf Kinder geboren und zwei bereits begraben hat, ist sie im gewissen Sinn immer noch ein junges Mädchen geblieben, das auf das Wunderbare, Überwälti- gende wartet.38 Den obsessiven Wunsch nach sozialem Glanz von Katharinas intriganter Mut- ter konterkariert die ziemlich bedeutungslose Rolle des Vaters der zukünftigen Kaiserin Russlands: Während die Mutter auf solche Weise die Krönung ihres Lebens erlebt, schließt sich der Vater zur allgemeinen Verwunderung für viele Stunden des Tages in sein Zimmer ein. […] So setzt sich der gute Mann, der bisher nie etwas anderes als Regimentsrapporte geschrieben hat, an den Schreibtisch.39 Matriarchalisch statt patriarchalisch erscheint die relationale Familienstruktur der kleinen Katharina in Kaus’ historisch belegter Rekonstruktion. In gewisser Weise vorhersehbar artikuliert sich daher Katharinas Reaktion, das heißt in einem Mixtum aus rebellischem Racheinstinkt und kämpferischer Freiheits- sehnsucht. Das Streben nach einer selbstbewussten Befreiung aus den mütterli- chen despotischen Manövern und ihrer provinziellen Welt lässt, so die Deutung bei Kaus, an eine vulkanische, latent männliche Persönlichkeit denken, die auf passende Explosionsbedingungen wartet. Diese stellen sich ein, als Katharina 1744 ihre Heimat Richtung Russland verlässt. Am St. Petersburger Hof lernt sie 36 Kaus, Katharina die Grosse, S.  229. 37 Ebd., S.  15. 38 Ebd., S.  36. 39 Ebd., S.  37.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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