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352 Monica Scilipoti
Das Berliner Ergebnis und seine Abweichungen vom Vorbild : das provisorische
Statut der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin von 1875
Richard Schönes Statutenentwurf von 1874, den das preußische Kultusministerium am
23. Juli desselben Jahres dem Direktorium und dem Senat der Berliner Akademie zur
Begutachtung weiterleitete, zeigt deutlich, dass die preußischen Reformbemühungen
vom Wiener Vorbild inspiriert waren. Das Dokument offenbart aber auch die Inte-
ressenskonflikte zwischen dem Ministerium und den bereits vorhandenen Instanzen
der Akademie.29 So versuchte Schöne, in Anlehnung an die Wiener Akademie, eben-
falls eine ›allgemeine Künstlerschule‹ zu etablieren. Der Versuch misslang allerdings.
An ihrer Stelle wurde im provisorischen Statut von 1875 als Einrichtung die ›allge-
meine Akademie der bildenden Künste‹ gesetzlich verankert. An Schönes ursprüngliche
Idee erinnerte nur noch die Bezeichnung ›allgemeine‹. Der Senat der Akademie hatte
dagegen auf die akademische Bezeichnung gepocht, um den Unterschied zu anderen
Kunstschulen zu unterstreichen – hier scheint Schöne letztendlich nicht in der Lage
gewesen zu sein, die Künstler von seinen Ideen zu überzeugen.30 In dem sonst so de-
tailreichen Statut klafft zudem eine Lücke, die den eigentlichen Kern der umbenannten
allgemeinen Künstlerschule betrifft, nämlich die dort zu lehrenden Fächer, inklusive der
Hilfsfächer. Die endgültige Berliner Version ist im Vergleich zum Wiener Statut von
1872 diesbezüglich äußerst schwammig. In den über 18 Paragrafen, die diese Einrich-
tung betreffen, finden sie lediglich im einführenden Paragrafen eine sehr oberflächliche
Erwähnung :
Die allgemeine Akademie der bildenden Künste bezweckt eine allseitige Ausbildung in den
bildenden Künsten und ihren Hülfswissenschaften, wie sie der Maler, Bildhauer und Architect
gleichmässig bedarf, und die specielle Vorbildung für die selbständige Ausübung der einzelnen
Zweige der bildenden Kunst. Der Unterricht ist obligatorisch.31
29 Archiv der Akademie der Künste, Bestand Preußische Akademie der Künste, Statuten der Aka-
demie, PrAdK 0692, Bl. 1–12. Vergleich dazu GStA PK, I. HA Rep. 76 Ve Sekt. 17 Abt. I Nr. 11
Bd.
3, Bl.
156–166.
30 Auf Schönes Aufforderung verfasste der Senat ein Motivationsschreiben über die von der Akademie
geänderten Stellen der zu begutachtenden Fassung des neuen Statutes : GStA PK, I.
HA Rep.
76 Ve
Sekt.
17 Abt.
I Nr.
11 Bd.
3, Bl.
23–26, hier Bl.
23. Eine erste Fassung des Schreibens befindet sich
im Archiv der Akademie der Künste (zit. Anm.
29), Bl.
13–15. Das 1875 erlassene Statut in ebenda,
Bl.
20.
31 Vgl. §
57 des Statutes in ebenda, Bl.
20.
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien