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66 Im Lauf der ersten Jahreshälfte 1918 kam es krankheitsbeding auch zu meh-
reren Ausfällen im Professorenkollegium sowie unter den Dozenten der Hoch-
schule. Meist waren es Erschöpfungserscheinungen, die ihre Ursache in der
schlechten Ernährungslage hatten, und die sich nun, ab dem Frühling 1918
häuften. Der ohnedies kränkliche Professor Oskar Peithner von Lichtenfels
fühlte sich den Anforderungen, die die neu eingeführten „Kriegskurse“ an ihn
stellten, nicht mehr gewachsen und ersuchte das Ministerium für Kultus und
Unterricht am 18. April 1918, ihm einen Erholungsurlaub vom 1. Mai bis zum
Ende des Studienjahres 1917/1818 zu genehmigen, da er in den letzten Mona-
ten nach und nach in einen Zustand der Ermüdung und Kraftlosigkeit verfallen
sei und sich weiters Störungen am Sehvermögen einstellten.111 Professor Ben-
jamin Reinitzer wiederum wurde durch eine schwere Erkrankung seiner Frau
gezwungen, sich im Mai 1918 auf einen mehrwöchigen Pflegeurlaub zu bege-
ben. Für ihn führte zumindest sein Assistent Rudolf Huber die Laboratoriums-
tätigkeiten weiter, für die Möglichkeit, Prüfungen abzulegen, hatte Reinitzer
im Vorfeld bereits gesorgt.112
Dr. Rudolf Bischoff, seit 1905 Privatdozent für österreichische Verwaltungs-
gesetzkunde und seit 1910 Honorardozent für Elemente des österreichischen
Verfassungs- und Verwaltungsrechtes, teilte dem Rektorat schließlich am 8.
Oktober 1918 mit, dass er sich infolge Neurasthenie und Unterernährung seit
Mitte Juli im Sanatorium Maria Grün in Behandlung befinde und nach Abschluß
einer elektrotherapeutischen Wasserkur noch eines 6-8 wöchigen Erholungs-
urlaubes bedürfe, den er zum Teil auf dem Land verbringen sollte. Er fiel also
zu Beginn des Studienjahres 1918/1919 als Vortragender aus.113
Einen neuerlichen Anlauf, um die Enthebung von Assistenten aus dem Kriegs-
dienst zu erreichen, unternahm das Rektorat bereits im Frühling 1918, sicher-
lich auch wegen der nun wieder steigenden Zahl von Studierenden. Diese hatte
sich aus den Erleichterung zur Fortführung der Studien für Militärdienst-Leis-
tende durch die Ende 1917 neu geschaffenen sogenannten „Kriegskurse“
ergeben. Das Ministerium für Kultus und Unterricht teilte dem Rektorat der
Technischen Hochschule daraufhin am 14. Mai 1918 mit, dass das Kriegsminis-
terium tags zuvor beim Armee-Oberkommando die zweitweise Enthebung der
Assistenten Landsturmoberingenieurleutnant Erich Knapitsch und Leutnant
Dr. Julius Kriso beantragt habe. Das war aber nur der sprichwörtliche Tropfen
auf den heißen Stein. Der Konstrukteur Oberleutnant Armin Schoklitsch war
dieser Mitteilung zufolge nämlich in seiner militärischen Verwendung uner-
setzlich, und die Umwandlung der bereits verfügten Enthebung der Assis-
tenten Ingenieuroberleutnant Dr. Karl Kriso sowie Hauptmann Erwin Keller in
111 ATUG, Rektoratsakte 495 und 575 ex 1918, Schreiben vom 18. 4. 1918.
112 ATUG, Rektoratsakte 660 ex 1918, Schreiben vom 17. 5. 1918 und Akte 797 ex 1918,
Schreiben vom 4. 6. 1918.
113 ATUG, Rektoratsakte 1390 und 1523 ex 1918, Schreiben vom 8. 10. 1918.
„ In diesen schweren Tagen“
Die Technische Hochschule Graz im Ersten Weltkrieg
- Title
- „ In diesen schweren Tagen“
- Subtitle
- Die Technische Hochschule Graz im Ersten Weltkrieg
- Author
- Bernhard Reismann
- Editor
- Technische Universität Graz
- Publisher
- Verlag der Technischen Universität Graz
- Location
- Graz
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-85125-627-7
- Size
- 20.0 x 25.0 cm
- Pages
- 334
- Keywords
- Forschungseinrichtung, Universität, Bildung, Krieg, Forschung, TU Graz
- Categories
- Geschichte Nach 1918