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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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75 Alcide De Gasperi und die österreichische Politik vom Reich bis zum „Anschluss“ nationalen Kommunismus sowie den liberalen Individualismus, die bereits vollkommen abgenutzt erschienen87. Als wir schrieben, das kleine Österreich wäre zu einem auf politischer Ebene interessanten Experimentierland bestimmt, waren wir schlichte Propheten. Bereits in der Vergangenheit, so De Gasperi weiter, hatte Österreich reichlich katho- lische Reformprojekte und -programme, begonnen bei Karl von Vogelsang – dem vielleicht ersten und profundesten Befürworter der korporativen Neu- gestaltung in Europa – bis hin zu Monsignore Seipel, der das Repräsentativ- system mittels der Korporationen wieder ins Gleichgewicht bringen wollte. Diesen Projekten und Programmen mangelte es jedoch an begünstigenden historischen Umständen oder es fehlte ihnen die Durchsetzungskraft der Vollzieher. Dollfuß vereint das gute Schicksal mit Willenskraft88. Tatsächlich schritt das Umbauprojekt des Staates auf korporativer, christlich inspirierter Basis voran89. In seiner Programmrede vom 11. September 1933 („Trabrenn- platzrede“) hatte Dollfuß seinen Willen zur Schaffung des christlichen, deut- schen Sozialstaates Österreich, auf korporativer Basis unter einer starken autoritären Regierung90 erklärt. Arbeitsminister Schmitz hatte schon mit der Umsetzung seines Planes begonnen, schrieb De Gasperi im Jänner 1934, und verkünde- te den Übergang zur korporativen Gestaltung der 1918 errichteten Arbeiter- kammern. Die Reichspost vom 17. Dezember versicherte in einem Kommentar, dass es sich um eine neue, eigene Reform handelt, nach den Kriterien der Quadra- gesimo anno, obgleich nicht geleugnet werden darf, dass das eindrucksvolle Beispiel des neuen Italiens wertvolle Erfahrungen und Anlehnungspunkte geboten hat. […] Die korporative Reform muss […] sich vorsichtig zwischen den vielen Felsen bewegen!91 87 Formigoni, L’Europa vista dal Vaticano 186. Der Ausdruck „totalitär“ wurde schon in der Quindicina vom 1. Juli 1933 in Bezug auf die nationalsozialistische Politik verwendet, siehe: Spectator, QI, 1. Juli 1933 2076. 88 Spectator, QI, 1. Oktober 1933 2101, 2105. (Übers. d. Verf.) 89 Spectator, QI, 1. Jänner 1934 2127. 90 Helmut Wohnout, Regierungsdiktatur oder Ständeparlament? Gesetzgebung im auto- ritären Österreich (= Studien zu Politik und Verwaltung 43, Wien-Köln-Graz 1993) 105. 91 Spectator, QI, 1. Jänner 1934 2127 f. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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