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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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81 Alcide De Gasperi und die österreichische Politik vom Reich bis zum „Anschluss“ sondern schrieb kommentarlos von den Eindrücken, die der Wiener Korres- pondent der Freiburger „Liberté“ an seine Zeitung geschickt hatte. Es waren sechsundneunzig Stunden seit dem „Anschluss“ vergangen, so heißt es in dem Zitat, und diese Stunden haben viele Niederträchtigkeiten offengelegt, viel Unterwürfigkeit, viel kläg- liche Abtrünnigkeit, dass wir uns angeekelt von einem solchen Schauspiel entfernen. […] man bäumt sich auf und ist fassungslos angesichts dieser Elen- den, die sich fieberhaft und bisweilen fanatisch gegen den Nazismus gestellt haben und die heute lauter als die anderen ‚Sieg Heil‘ rufen, als wäre der Sieg des Führers ihnen zu verdanken. Etwas mehr Diskretion, meine Herren! Nun, wo der „Anschluss“ vollzogen war, so schloss das Zitat, gab es keine Wege zurück mehr; wer realistisch war, musste die neue Sachlage anerkennen und versuchen, sich dieser zu fügen. Das heißt nicht, dass viele Personen hin- sichtlich ihrer Vergangenheit besser daran tun würden, zu schweigen! 108 Als sich nun der Tag des österreichischen Plebiszits zur Anerkennung des Geschehenen näherte, veröffentlichte De Gasperi in der „Quindicina“ – ohne diesen zu kommentieren – den Text der österreichischen Bischöfe, in dem der Nationalsozialismus mit Wohlwollen begrüßt und die Bevölkerung dazu aufgefordert wurde, sich im deutschen Reich am Tag der Volksabstim- mung zu vereinen. Er fügte jedoch eine Präzisierung des „Osservatore Roma- no“ hinzu, demzufolge dieses Dokument mit der Anfügung einer Art Schutz- klausel gelesen wurde, das heißt unter Vorbehalt der Rechte Gottes und der Kirche. Außerdem sei die Erklärung des österreichischen Episkopats ohne jegliche vor- herige Vereinbarung oder nachträgliche Genehmigung des Heiligen Stuhles verfasst und unterschrieben worden109. In der „Quindicina“ vom 1. Mai 1938 beobachtete De Gasperi alarmiert, dass der „Anschluss“ das politische und kulturelle Experiment der Wiener christ- lich-sozialen Schule schwerwiegend zu behindern drohte: […] rund um den Wiederaufbau des autoritären Ständestaates war eine wissenschaftliche Zusammen- arbeit erblüht, Frucht aus Ideen und Hoffnungen. Nun befand sich dieses Experi- 108 Spectator, QI, 1. April 1938 2699 f. (Übers. d. Verf.) 109 Ebd. 2702 f. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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