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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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89 Italien als Vorbild für Österreich? und Belgrad, die ab 1926/27 an Brisanz gewonnen hatten19. Um ein Bündnis zwischen Italien und Ungarn zu komplettieren, war Österreich schon rein geographisch ganz offensichtlich das missing link. Die Heimwehren kamen ab Sommer 1928 deshalb in den Genuss von Subsidien aus Italien. Ziel war, eine befreundete Rechtsregierung in Öster- reich an die Macht zu bringen. Denn Kanzler Seipel, dem mysteriösen mas- termind der Ersten Republik, der sich nicht in die Karten schauen ließ, wollte man in Rom nicht so recht trauen. In Österreich schwärmten viele von einer Kopie des marcia su Roma, ohne freilich das Original genügend studiert zu haben. Denn der marcia su Roma war ja kein gewöhnlicher Staatsstreich, son- dern eine Massendemonstration, gerichtet an die Adresse der monarchischen Exekutive. Für ein solches Vorgehen fehlten in Österreich der Ansprechpart- ner und die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen. Ein Putsch gegen die amtierende Regierung aber versprach kaum Aussichten auf Erfolg. Mussolini riet immer wieder dazu, die Sozialisten zu provozieren – um im Gegenschlag dann, zusammen mit den Kräften der Exekutive, auch die demokratische Ordnung aus dem Sattel heben zu können. Doch die Sozialdemokratie durch- schaute diese Absichten – und verhielt sich bis zum Vorabend des 12. Februar 1934 dementsprechend. Die Investitionen Mussolinis in die Heimwehren warfen deshalb lan- ge keine entsprechende politische Rendite ab. Zwar kam 1929 eine Verfas- sungsnovelle zustande, doch immer noch in Zusammenarbeit mit den Sozial- demokraten. Die Heimwehr sah sich in ihren Erwartungen auf einen Bruch mit der Linken enttäuscht. 1930 wurde der neue Chef der Heimwehren, Fürst Ernst Rüdiger Starhemberg, für einige Wochen zum Vizekanzler einer Min- derheitsregierung berufen, die jedoch prompt abgewählt wurde. Unausge- gorene Putschpläne von Teilen der Heimwehr sorgten bei ihren Geldgebern für Irritation: Ein ungarischer Diplomat wurde nach Österreich entsandt, um die undisziplinierten Schützlinge zur Ordnung zu rufen20. 1931 spaltete sich die Heimwehrbewegung, erst im Frühjahr 1932 gelangte sie wiederum an 19 Luciano Monzali, Gli Italiani di Dalmazia e le relazioni italo-jugoslave nel Novecen- to (Venezia 2015) 278–280; Massimo Bucarelli, Mussolini e la Jugoslavia (1922–1939) (Bari 2006) 337 ff.; Lajos Kerekes, Abenddämmerung einer Demokratie. Mussolini, Gömbös und die Heimwehr (Wien 1966). 20 Höbelt, Heimwehren 156 ff.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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