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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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97 Italien als Vorbild für Österreich? 3. Der „Austrofaschismus“ Die Heimwehren distanzierten sich anfangs noch gerne vom Faschismus, weil alles, was seinen Ursprung beim alten Kriegsgegner hatte, in der öster- reichischen Öffentlichkeit auf eine sehr zwiespältige Aufnahme gefasst sein mußte, nicht bloß auf der Linken, wo sich der sozialdemokratische Abgeord- nete Wilhelm Ellenbogen als Mussolini-Kritiker vom Dienst profilierte. Die Heimwehren sahen sich als gegenrevolutionäre Bewegung, die aufgerufen war, die Heimat vor dem Bolschewismus zu bewahren, ohne sich allzu viel Gedanken über die Ordnung zu machen, die sie an die Stelle der bestehen- den, wenig widerstandsfähigen demokratischen Republik zu setzen gedach- ten. Ein wenig fühlt man sich an die Anekdote aus der Zeit des Kapp-Put- sches 1920 erinnert: Als die Marine-Brigade Ehrhardt durchs Brandenburger Tor ins Berliner Regierungsviertel einrückte, soll ihr Anführer zu Kapp ge- sagt haben: „Nu, Kapp, regieren Se mal!“ Erst als Steidle dann 1929/30 begann, dem Beispiel Mussolinis von 1921 zu folgen, und seine alpine Variante der squadristi ebenfalls in eine Partei um- zuwandeln, trat für die Heimwehren die Notwendigkeit in den Vordergrund, über den reinen „Antimarxismus“ hinaus mit gewissen programmatischen Grundsätzen an die Öffentlichkeit zu treten. Spann wurde deshalb eingela- den, Seminare für das Führerkorps der Heimwehr abzuhalten. Im September 1929 bewarb sich Spann vergeblich um den Posten des Handelsministers im Kabinett des Polizeipräsidenten Johannes Schober, der im Zuge der Verfas- sungsreform gekonnt zwischen Heimwehr und Sozialdemokraten finassierte – und von Spann deshalb bald als Verräter abqualifiziert wurde42. Heinrich führte eine Zeitlang sogar den Titel eines Generalsekretärs der Bundesfüh- rung (mit dem allerdings keinerlei exekutiven Kompetenzen verbunden wa- ren). Im Mai 1930 wurde ein im Wesentlichen von Heinrich entworfener Text dann im sogenannten „Korneuburger Eid“ als „Richtung und Gesetz der Heimatwehren“ präsentiert. Der programmatische Kern dieses Gelöbnisses lautete: 42 Landespolizeidirektion Wien, Schober-Archiv 22, Tagesnotizen 9.9.1929; ASMAE, Affari Politici, Austria 1919–1930, Pacco 894/I, Bericht des Presseattaches Morreale vom 24.1.1930.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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