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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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98 Lothar Höbelt Wir verwerfen den westlichen demokratischen Parlamentarismus und den Parteienstaat! Wir wollen an seine Stelle die Selbstverwaltung der Stände setzen und eine starke Staatsführung, die nicht aus Parteienvertretern, son- dern aus den führenden Personen der großen Stände und aus den fähigs- ten und bewährtesten Männern unserer Volksbewegung gebildet wird. Wir kämpfen gegen die Zersetzung unseres Volkes durch den marxistischen Klassenkampf und die liberal-kapitalistische Wirtschaftsgestaltung. Wir wol- len auf berufsständischer Grundlage die Selbstverwaltung der Wirtschaft verwirklichen. Wir werden den Klassenkampf überwinden, die soziale Würde und Gerechtigkeit herstellen. Wir wollen durch eine bodenstarke und ge- meinnützige Wirtschaft den Wohlstand unseres Volkes heben. Der Staat ist die Verkörperung des Volksganzen; seine Macht und Führung wacht darüber, dass die Stände den Notwendigkeiten der Volksgemeinschaft eingeordnet bleiben. Jeder Kamerad fühle und bekenne sich als Träger der neuen deutschen Staats- gesinnung; er sei bereit, Gut und Blut einzusetzen, er kenne die drei Gewalten: den Gottesglauben, seinen eigenen harten Willen, das Wort seiner Führer!43 Die berufsständische Ordnung wurde zwar ausdrücklich als „neue deutsche Staatsgesinnung“ ausgeschildert, dennoch nahm Steidle in seiner Einleitung explizit Bezug auf das italienische Modell, wenn er vor seinen Kameraden als rhetorische Frage die Alternative ausbreitete: Wollen Sie sich wie bisher auf den Standpunkt stellen, dass die Heimwehrbewegung nichts ist als der Eintreiber der Parteien oder wollen Sie sich, um ein Schlagwort zu gebrauchen, für das faschistische System erklären? Das ist die klare und einfache Formel.44 Die Berufung auf den Faschismus als bloßes „Schlagwort“ war typisch für die Koketterie, die vom Nimbus Mussolinis profitieren, einer allzu deutlichen Identifikation aber ausweichen wollte. Als Steidles Stabschef, der preußische Major Waldemar Pabst, kurz danach bei der italienischen Gesandtschaft nachfragte, ob das Korneuburger Gelöbnis auch tatsächlich als Akt reiner faschistischer Treue auf- 43 Walter Wiltschegg, Zum ‚Korneuburger Gelöbnis’ der Heimwehren, in: Geschichte und Gegenwart 5 (1986) 139–158. 44 Zitiert nach Heimatschutz-Zeitung (24.5.1930).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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