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Francesco Salata und das Österreich der 1930er Jahre
reichische Quellen erwarb, erwies sich als sehr nützlich für die italienische
Regierung. Im Juni 1924 wurde er zum königlichen Beauftragten für die ös-
terreichischen Archive ernannt. Seine Aufgabe bestand darin, das Archiv-
abkommen zwischen der Republik Österreich und den Nachfolgestaaten um-
zusetzen, das am 6. April 1922 beschlossen wurde und im Mai 1924 in Kraft
trat. Die Beziehung der beiden Länder wurde in diesem Bereich unter Feder-
führung Salatas durch zwei Protokolle geregelt19, zahlreiche Bestände zu den
annektierten Provinzen mussten an Italien ausgeliefert werden. Salatas wis-
senschaftliches Interesse, seine Nähe zu Politik und Diplomatie sowie seine
Mehrsprachigkeit und Weltoffenheit kamen ihm in seiner Arbeit zugute – in
der Folge handelte er auch Archivabkommen mit Ungarn und Jugoslawien
aus20. Dies wurde zu einem Wendepunkt in seinem Leben und führte zu einer
Annäherung an Mussolini. Salata lenkte die Aufmerksamkeit des Duces auf
die Besonderheit seiner Tätigkeit21 und traf ihn am 13. Mai 1925. Salata befand
sich nun im innersten Kreis der Macht, der Wandel vom Irredentisten zum
Faschisten war vollzogen.
Mussolini zeigte ein gewisses Interesse an der Arbeit des Historikers,
der die ihm gebotenen Chancen nutzte22. Der Duce forderte den Senator dazu
auf, seiner Arbeit weiter nachzugehen und die Hintergründe der österreichi-
schen Außenpolitik in Bezug auf Italien zu erforschen. Dieser Auftrag galt als
politisch geheim und musste daher so diskret wie möglich behandelt werden23.
Eine solche Definition – scheinbar übertrieben für eine Arbeit kultureller Art
– zeigt die Bedeutung, die der Duce der geschichtlichen Rekonstruktion der
italienischen Außenpolitik beimaß.
Dino Grandi, der 1929 Außenminister wurde24, wollte dieser Tätigkeit
mehr Struktur geben und entschied im Oktober desselben Jahres, Salatas
19 Für den Text siehe Protocollo tra il delegato del Regio Governo d’Italia e i delegati del
Governo Federale Austriaco per l’esecuzione della Convenzione sugli archivi firmata a Roma
il 6 aprile 1922, 31. Oktober 1924, Archivio Storico del Ministero degli Affari Esteri (ASMAE),
Carte Salata (CS), b.122, f.763; siehe auch Protocollo Aggiunto, 17. Jänner 1925, ebd.
20 Riccardi, Francesco Salata 314.
21 Salata an Mussolini, März 1925, ASMAE, CS, b.122, f.762.
22 Ebd., Schema delle disposizioni, 21. Mai 1925, f.763.
23 Ebd., siehe auch Salata an Mussolini, 7. Juli 1925.
24 Zu Grandi siehe Paolo Nello, Un fedele disubbidiente. Dino Grandi da palazzo Chigi
al 25 luglio (Bologna 1993); Dino Grandi, La politica estera dell’Italia dal 1929 al 1932 (Roma
1985). Allgemeiner in: Ders., Il mio paese: ricordi autobiografici, Il Mulino, Bologna 1985.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918