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Francesco Salata und das Österreich der 1930er Jahre
zogen28. Deswegen entschied der Duce, die italienische Außenpolitik unter
Mitwirkung des neuen Unterstaatssekretärs Fulvio Suvich, einem Triester
Ex-Irredentisten, erneut selbst in die Hand zu nehmen.
Bis zur Machtübernahme der nationalsozialistischen Partei wurde die
Gefährlichkeit Deutschlands nur als potenziell eingestuft. Die politische und
institutionelle Krise der Weimarer Republik, die mit einer ernsten wirtschaft-
lichen Situation zu Beginn der 1930er-Jahre zusammenfiel, verwehrte die
Aussicht auf eine schnelle Wiederherstellung der militärischen Macht29. Eine
ganz andere Frage war die Unterstützung der Forderungen eines aggressiven
Machtapparates. Das Hitler-Regime war dies zweifellos, mit einem totalitä-
ren Gepräge und einem expansionistischen Programm30. Um Hitler im Zaum
zu halten, ergriff der Duce im März 1933 die Initiative zu Verhandlungen, die
zum Abschluss eines Viererpakts zwischen Italien, Deutschland, Frankreich
und Großbritannien führen sollten31. Italien und nicht mehr der Völkerbund
sollte im Mittelpunkt eines Systems zur Garantie der Grenzen stehen, denn
im Palazzo Venezia hatten die multilaterale Diplomatie und die supranatio-
nale Ideologie des Völkerbunds nie Anklang gefunden.
Es ist in diesem Zusammenhang nicht möglich, den vollständigen
Verlauf der Verhandlungen wiederzugeben, die zur Unterzeichnung des Ab-
kommens in Rom am 15. Juli 1933 führten. Das Dokument war von Anfang an
inhaltsleer und sollte offenbar nie umgesetzt werden. Darauf weisen sowohl
die Verhandlungsführung des Quai d’Orsay als auch die Politik Hitlers hin.
28 Renzo De Felice, Mussolini il duce. Gli anni del consenso 1929–1936 (Torino 1996)
403 ff.; ein anderer Ansatz siehe in: Nicola Tranfaglia, La prima guerra mondiale e il fa-
scismo (Torino 1995) 454 ff.; siehe auch eine allgemeinere Interpretation in: Enzo Collotti
(in Zusammenarbeit mit Nicola Labanca und Teodoro Sala), Fascismo e politica di potenza.
Politica estera 1922–1939 (Firenze 2000) 37–80.
29 Zur Weimarer Republik Erich Eyck, Storia della repubblica di Weimar 1918–1933 (Tori-
no 1966).
30 Siehe Ian Kershaw, Hitler 1889–1936 (Bompiani 1998) 576–649.
31 Zum Viererpakt siehe Francesco Salata, Il Patto Mussolini. Storia di un piano politico
e di un negoziato diplomatico (Milano 1933); Giancarlo Giordano, Il Patto a Quattro nella
politica estera di Mussolini (Roma 1976); Ders., Storia diplomatica del Patto a Quattro (Mi-
lano 2000); Renato Grispo, Il Patto a Quattro – la questione austriaca – il fronte di Stresa, in:
La politica estera italiana dal 1914 al 1943 (Torino 1963) 118–158, besonders 131–136; Fulvio
D’Amoja, Declino e prima crisi dell’Europa di Versailles. Studio sulla diplomazia italiana
ed europea (1931–1933) (Milano 1967) besonders 25 ff. Pierre Milza, Mussolini (Roma 2000)
687–692; für die Memoiren siehe Fulvio Suvich, Memorie 1932–1936, hrsg. von Gianfranco
Bianchi (Milano 1984); Baron Aloisi, Journal (25 Juillet 1932–14 Juin 1936) (Paris 1957).
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918