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Luca Riccardi
Deutschland zu ändern93. Preziosi, der in enger Verbindung mit den anti-
deutsch eingestellten Kreisen der österreichischen Politik stand, schien an-
gesichts des neuen Szenarios der italienisch-österreichischen Verbindungen
nicht mehr geeignet94. Der Diplomat wurde zunächst suspendiert, am Tag
nach der Unterzeichnung des österreichisch-deutschen Abkommens am 11.
Juli 1936 wurde er abberufen.
Aber auch Salata kam politisch an seine Grenzen. Offenbar war er sich
nicht bewusst darüber, dass dies das Ende des „Systems“ der Römischen Pro-
tokolle darstellte, von deren Wichtigkeit er stets überzeugt gewesen war95.
Von Beginn an unterstützte er einen österreichisch-deutschen Vertrag, in der
Illusion, dass – sollte keine Spannung mehr zwischen den beiden Staaten be-
stehen –, Hitler keinen Vorwand zur Durchsetzung des „Anschlusses“ hätte.
„Er glaubte, das österreichisch-deutsche Abkommen würde die Unabhängig-
keit Österreichs aufrechterhalten, vor allem, wenn es von der italienischen
Garantie profitieren würde. Er handelte also gutgläubig und auch wenn ihn
das moralisch ehrt, bleiben dennoch einige Zweifel an seinem politischen
Scharfsinn, denn er hätte begreifen müssen, dass er ein Wagnis eingeht, das
ein negatives Nachspiel haben würde“96.
Salata spielte also „eine nicht unerhebliche Rolle“97 in der Annähe-
rung Österreichs an Deutschland. Im Gegensatz zu Salata hatte Suvich sofort
durchschaut, dass Mussolini dabei war, die Verteidigung der österreichischen
Unabhängigkeit aufzugeben. Alle Versuche der österreichischen Politik – in
die Salata von Schuschnigg als „Kontaktstelle“ 98 zum Palazzo Venezia direkt
einbezogen war – Mussolini zu einer Haltungsänderung zu bewegen, waren
hoffnungslos. Der mehrfach bekräftigte Wille des Kanzlers, der politischen
Strategie Dollfuß’ treu zu bleiben – „Treue zur Freundschaft Italiens und zum
93 DDI, Serie VIII, Bd. III, d. 506.
94 Siehe dazu die Rekonstruktion des französischen Vertreters in Wien, Gabriel Puaux,
einige Monate später: Puaux an Delbos, 6. August 1936, in Documents Diplomatique Francais
(im Folgenden DDF) 1932–1939 , Serie II, Bd. III, d. 98.
95 Salata an Suvich, 2. März 1936, DDI, serie VIII, Bd. III, d. 351.
96 Pastorelli, L’Italia e l’accordo austro-tedesco 106 f.
97 Ara, Il problema austriaco 64.
98 Salata an Suvich, 22. April 1936, DDI, serie VIII, Bd. III, d. 733.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918