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Francesco Salata und das Österreich der 1930er Jahre
[…] als habe Österreich mit dem Abkommen vom 11. Juli gänzlich, wenn
nicht die Disziplin des politischen Nationalsozialismus, die nationalsozialisti-
sche Kultur akzeptiert, die als einzige derzeitige Kultur Deutschlands erachtet
wird. Die Texte vom 11. Juli sagen klar und deutlich das Gegenteil. Wer aber
die nationalsozialistische Kultur nicht akzeptiert, gilt als außerhalb von der
deutschen nationalen Gemeinschaft118.
Das politisch bedeutsamste Zeichen war die Stornierung der finanziellen Un-
terstützung der Heimwehren durch Mussolini119. Die italienisch-österreichi-
schen Zusammenkünfte waren in diesen Monaten von einer zunehmenden
Kälte seitens der Vertreter der Regierung in Rom charakterisiert. Es wurde
offensichtlich, dass die Unabhängigkeit Österreichs nicht mehr auf der Priori-
tätenliste der italienischen Außenpolitik stand. Salata musste seinen Wiener
Gesprächspartnern dennoch akzeptable Erklärungen für die Entscheidungen
des Palazzo Chigi liefern. Auch das Treffen der Mitgliedsstaaten der Römi-
schen Protokolle, das vom 9. bis zum 12. November in Wien stattfand, verlief
ohne Ergebnisse120. Ciano ging nicht einmal auf Salatas Vorschlag ein, den
Aufenthalt in der österreichischen Hauptstadt für ein Gespräch mit Schusch-
nigg über die „italienisch-deutsche politische Parallelität“ zu nutzen121. Sala-
ta unterstützte dennoch die Bemühungen des Bundeskanzlers, sein Regime
trotz des Juliabkommens zu stärken122 – das stand allerdings nicht im Ein-
klang mit Rom:
Unsere Aufgabe hier ist nicht mehr so einfach wie zu der Zeit des offenen
Kriegs zwischen Österreich und Deutschland. Auf der einen Seite darf die
Garantie der staatlichen Unabhängigkeit Österreichs nicht herabgesetzt wer-
den, was unser fortwährendes politisches Interesse darstellt und, meiner Mei-
118 Salata an Ciano, 30. September 1936, DDI, Serie VIII, Bd. V, d.140. (Unterstreichung im
Text, Übers. d. Verf.)
119 Mussolini an Salata, 26. September 1936, ebd., d.118.
120 Riccardi, Francesco Salata 395. Die Protokolle befinden sich in Anmerkung von Ciano,
9.–16. November 1936, DDI, Serie VIII, Bd. V, d.429.
121 Salata an Ciano, 1. November 1936, DDI, Serie VIII, Bd. V, d. 328. Kursivschrift im Text.
122 Riccardi, Francesco Salata 395 ff.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918