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Franz Marek und der italienische Kommunismus1
KARLO RUZICIC-KESSLER
Freie Universität Bozen
1. Einleitung
Franz Marek ist eine jener Figuren des vergangenen Jahrhunderts, deren
Name im öffentlichen oder wissenschaftlichen Diskurs kaum noch eine Rolle
spielt. Erst in jüngster Zeit hat sich eine neue Forschergeneration aufgemacht,
seine Person „[d]em Vergessen [zu] entreißen“2. Marek gehörte zu jenen kom-
munistischen Intellektuellen, die nach 1956 zunehmend von den Dogmen der
internationalen Bewegung Abstand nahmen, eine neue Ausrichtung des Kom-
munismus herbeisehnten und in den 1960er Jahren schließlich zu einer „eu-
rokommunistischen“ Interpretation gelangten. Dieser folgte der Ausschluss
aus der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) und der Rückzug auf die
intellektuelle Arbeit bis zu seinem Tod 1979. Gerade weil Marek ein Mann
war, der die progressiven Strömungen und die Veränderung in der Weltbe-
wegung befürwortete, wurde er für die Italienische Kommunistische Partei
(Partito Comunista Italiano, PCI) interessant. Dieser Artikel spürt den Ein-
flüssen des italienischen Kommunismus auf Mareks Denken und auf dessen
1 Dieser Artikel entstand im Zuge der Recherche zum Projekt „Franz Marek: Vom Wi-
derstandskämpfer über den Apparatschik zum europäischen Reformkommunisten“, Jubilä-
umsfonds der Österreichischen Nationalbank, Projekt-Nr. 17492.
2 Es sei auf die jüngst veröffentlichte Biografie hingewiesen, die aufzeigt, welche Be-
deutung Marek für die transnationale und internationale Geschichte des 20. Jahrhunderts
einnimmt: Franz Marek – Ein europäischer Marxist. Die Biografie, hrsg. von Maximilian
Graf, Sarah Knoll, Ina Markova, Karlo Ruzicic-Kessler (Wien 2019). Ebenso sei auf die Le-
benserinnerungen von Marek hingewiesen. Siehe: Franz Marek, Erinnerungen, in: Franz
Marek. Beruf und Berufung Kommunist. Lebenserinnerungen und Schlüsseltexte, hrsg. von
Maximilian Graf, Sarah Knoll (Wien 2017) 109–123. Die Lebenserinnerungen Mareks befin-
den sich in Wien im Archiv des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918