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Karlo Ruzicic-Kessler
dustriearbeiter der Stadt bemängelten die schwierigen Arbeitsbedingungen
und skizzierten die Unmöglichkeit, die von der politischen Elite geforderten
Leistungen zu erfüllen. Der Protest eskalierte in kürzester Zeit zu einer be-
waffneten Auseinandersetzung zwischen Sicherheitskräften und Demonst-
ranten. Zwischen dem 28. und 29. Juni starben 57 Menschen und Hunderte
weitere wurden verletzt40. Die Niederschlagung des Protestes war für die ita-
lienischen Kommunisten der notwendige Schritt, um die Ordnung wieder-
herzustellen41. Nur wenige stellten sich gegen die offizielle Parteilinie42. Noch
schwerer wog allerdings die Niederschlagung des Aufstands in Ungarn im
Oktober/November 1956. Die Ereignisse von Budapest führten zu einer Zu-
spitzung im Kampf zwischen Togliatti und Gewerkschaftsführer Giuseppe
Di Vittorio, während die Parteimedien und die Leitung des PCI darauf be-
dacht waren, das Einschreiten der Sowjetunion zu rechtfertigen und diese
als unausweichlich darzustellen43. Anzumerken sei auch, dass das zunächst
aus Moskau noch geäußerte Verständnis für die Kritik Togliattis anlässlich
des XX. Parteitages mit den Krisen von Posen und Budapest nicht mehr ge-
geben war. Nun hatten „polyzentrische“ Ideen keinen Platz mehr44. Jedenfalls
engagierte sich die Spitze des PCI im kurz nach den Ereignissen von Ungarn
gehaltenen VIII. Parteikongress für ein Verstummen der Stimmen, die die
sowjetische Politik in Zweifel gezogen hatten. Viele mussten die Partei verlas-
sen, gleichzeitig machte aber auch die alte stalinistische Garde Platz für neue
Gesichter, die den Kurs Togliattis unterstützen sollten45. Ähnliches geschah
auch in der KPÖ, wo die Diskussion zugunsten der Einheit der Partei ab-
40 Zu den Ereignissen in Posen, siehe: Mark Kramer, Soviet-Polish Relations and the
Crisis of 1956. Brinkmanship and Intra-Bloc Politics, in: Kommunismus in der Krise. Die
Entstalinisierung 1956 und die Folgen, hrsg. von Roger Engelmann et al. (Göttingen 2008)
61–126, hier: 81 ff.
41 Il lavoro è ripreso nella città polacca di Poznán. Isolati i provocatori die sanguinosi
incidenti di giovedì, in: l’Unità (30.6.1956).
42 Giuseppe Di Vittorio, Il dolore della Cgil per i fatti di Poznán, in: l’Unità (1.7.1956); Le
dichiarazioni di Di Vittorio, in: l’Unità (2.7.1956).
43 Gian Carlo Pajetta, La tragedia dell’Ungheria, in: l’Unità (28.10.1956); Argentieri,
Ungheria 1956 103 f.; Frigerio, Budapest 1956 160.
44 Spagnolo, Togliatti e il movimento comunista 257.
45 Siehe: Palmiro Togliatti, Per una via italiana al socialismo. Per un governo democra-
tico delle classi lavoratrici. Rapporto all’VIII. congresso del PCI, 8.12.1956, in: Höbel, Il PCI
e il 1956 169 ff.; L’intervento di Antonio Giolitti al congresso del Pci nel 1956, in: Micromega
9 (2006); Frigerio, Budapest 1956 197; Riunione della Direzione, 8.1.1957, FIG, APCI, Fondo
Mosca, mf. 197.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918