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Franz Marek und der italienische Kommunismus
stieß93. Dies war während der ZK-Sitzung der KPÖ vom 12.–13. September of-
fenkundig geworden. Die „extreme“ Position von Fischer und anderen wurde
durch Muhris Einfluss geglättet, aber die Partei sah die Wiederherstellung
der vollen Souveränität der Tschechoslowakei als Notwendigkeit an. Doch
die „Gruppenbildung“ und Anschuldigungen innerhalb der KPÖ waren
nunmehr offenkundig geworden94. Marek verteidigte Fischer, obschon auch
er die Vorgangsweise nicht befürwortete. Er war weiterhin davon überzeugt,
dass Kritik im kommunistischen Lager möglich sein musste und nicht per
se als „antisowjetisch“ interpretiert werden sollte und zeigte sich überzeugt,
dass die mediale Aufmerksamkeit, die der KPÖ zuteil geworden war, für das
Abbauen von Vorurteilen ihr gegenüber nützlich sei95. Diese Entwicklungen
in der österreichischen Bruderpartei waren auch Thema beim PCI. Eine In-
formation von Pelliccia vom Oktober 1968 über die Septembersitzung wurde
von den wichtigsten Vertretern der italienischen Partei gesichtet, darunter
Giorgio Amendola, Enrico Berlinguer, Armando Cossutta, Pietro Ingrao und
Alessandro Natta. Darin beschrieb Pelliccia, dass das ZK Ernst Fischer für
seine Aussagen um die Ereignisse in der Tschechoslowakei kritisiert hatte.
Für Pelliccia waren die Vorgänge in Wien jedenfalls eine Diskussion auf sehr
fragwürdigem Niveau, was nichts Gutes für den Kurs der Partei verheißen
ließ96. Die Initiative der beiden Parteien in Bezug auf die Abhaltung einer
Konferenz der westeuropäischen KPs wäre wohl eine wichtige Möglichkeit
gewesen, einen unabhängigen Kurs fortzuführen und auszubauen, scheiterte
aber an der Ablehnung des PCF. Der Plan war auch Moskau bewusst und ein
Dorn im Auge. Die Sowjetunion hatte gegen solche Vorstellungen angeschrie-
ben, während der PCI schwieg. Während seiner Reise in die Sowjetunion im
September 1968 holte sich Armando Cossutta eine Schelte von Michail Suslov
ab. Dieser bezeichnete die österreichische Partei als sozialdemokratisch und
fragte bei Cossutta in Bezug auf die KPÖ-PCI Initiative nach: Was wollt ihr?
Wohin wollt ihr damit gelangen?97
93 Incontro del compagno Galluzzi con il presidente del Partito comunista austriaco e
con il compagno Marek, membro dell’Ufficio Politico, 16.9.1968, FIG, APCI, Esteri, mf. 552, 94.
94 Mugrauer, „Prager Frühling“ 1052.
95 Graf, Knoll, Franz Marek 74.
96 Informazione sul P.C. austriaco di Dino Pelliccia, 31.10.1968, FIG, APCI, Esteri, mf. 552,
96.
97 Riunione della Direzione, 18.9.1968, FIG, APCI, Direzione, b. 20, 939–1037.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918