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Bruno Kreisky und die italienische Linke – ein Forschungsdesiderat
Ebene wog das offene Südtirolthema schwer – mehr jedoch Kreiskys Miss-
erfolg aus dem Jahre 1965, den er nur schwer verwinden konnte“5.
Dennoch scheint eine vertiefte Auseinandersetzung mit Teilaspekten seines
Verhältnisses zu Italien wünschenswert und möglicherweise ist Gehlers
Einschätzung im Lichte neuer Quellen zumindest für die letzte Legislatur-
periode Kreiskys ein wenig zu relativieren. Unbestritten ist, dass Kreiskys
Verhältnis zur italienischen Linken ein Forschungsdesiderat darstellt. Der
vorliegende Beitrag liefert einen ersten Aufriss der Thematik auf Basis der
Akten des Kreisky-Archivs und veröffentlichter Aussagen Kreiskys in Reden
und Medien. Die Quellenbasis ist also akteurszentriert, es werden jene Do-
kumente herangezogen, die Kreisky selbst zur Thematik Italien aufbewahrt
hat sowie das, was er über die italienische Linke zu sagen hatte und was über
seine Interaktionen mit dieser medial berichtet wurde. Für die künftige For-
schung bleibt demnach auch in diesem Bereich viel zu tun.
Im Folgenden wird in drei Etappen auf Kreiskys Haltung zur italieni-
schen Linken eingegangen. Erstens wird die Grundproblematik des Themas
anhand der Zusammensetzung der italienischen Linken illustriert. Zweitens
wird Kreiskys Haltung zum „Eurokommunismus“ am Beispiel des Partito
Comunista Italiano (PCI) unter der Führung von Enrico Berlinguer in den
Blick genommen. Drittens geht es um den auch durch Kreisky reflektierten
Wandel der italienischen Linken und sein Verhältnis zu Bettino Craxi. Der
Fokus liegt aufgrund der Überlieferungsdichte im Kreisky-Archiv auf den
1970er- und 1980er-Jahren und somit auf seiner Zeit als Vorsitzender der SPÖ
(1967–1983, danach Ehrenvorsitzender bis 1987). Dies trägt auch dem Faktum
Rechnung, dass es sich um eine transnationale Themenstellung und nicht um
eine klassisch bilaterale handelt. Freilich können bilaterale österreichisch-ita-
lienische Aspekte und insbesondere die Südtirolfrage nicht gänzlich ausge-
blendet werden.
5 Gehler, Kreisky 206.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918