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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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210 Maximilian Graf durch den PCI und dessen sich entwickelnde Kritik an der Sowjetunion zu- nächst nichts. Dies bedeutet aber nicht, dass Kreisky die offene und öffentli- che Auseinandersetzung mit den westeuropäischen kommunistischen Par- teien sowie mit dem Kommunismus an sich scheute. In einem publizierten Gespräch mit Leo Bauer17 machte er kein Hehl daraus, dass er von den kommunistischen Reformdiskussionen und der sich daraus ergebenden Dialogbereitschaft im Westen wenig hielt: Ich sehe dies al- les, ich bin aber nicht bereit, irgendwelche Konzessionen zu machen. Distanzierende Stellungnahmen zu Moskau hielt er noch für Opportunismus. Dem PCI attes- tierte er, jene Partei zu sein, die am erfolgreichsten den Eindruck zu erwecken ver- steht, daß sie sich geistig von Moskau unabhängig gemacht habe. Er sah aber bisher noch keine überzeugenden und schlüssigen Beweise dafür, daß es sich um eine echte Politik handelt und nicht um eine opportunistische Taktik aus innenpolitischen Er- wägungen. Von Bauer auf das Bestreben des PCI Regierungspartei zu werden angesprochen, gab Kreisky zu bedenken: Woher weiß ich, daß man in Moskau nicht sagt, hier können wir es uns erspa- ren, die italienische Partei zu kritisieren, denn der Zweck heiligt hier wirklich die Mittel. Das wäre natürlich ein ungeheurer Erfolg, wenn es den Kommu- nisten gelänge, in einem so wichtigen Land wie Italien einen Teil der politi- schen Macht zu ergreifen, weil man ja genau weiß, daß es ja dann nicht mehr lange dauerte, bis sie die ganze Macht hätten. Bei Kreisky überwog also ganz eindeutig das Misstrauen. Immerhin sah er die Entwicklung als Prozess und hielt eine künftige Revision seiner Einschät- zung im Lichte der weiteren Entwicklung für möglich18. Der Weg zum „Eurokommunismus“ (ein im Jahr 1975 entstandener Begriff19) war tatsächlich noch ein weiter. Der PCI sah sich durch Kreiskys 17 Der frühere Kommunist Leo Bauer war im Zuge einer politischen Säuberung in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, der ostdeutschen Staatspartei, von einem sow- jetischen Militärgericht abgeurteilt worden und in Lagerhaft in Sibirien gekommen. 1955 wurde er entlassen und in die Bundesrepublik Deutschland abgeschoben, wo er der SPD beitrat, journalistisch tätig war und zu einem Berater Willy Brandts wurde. 18 Sozialdemokratie und Kommunismus (I). Ein Gespräch mit Leo Bauer (1969), in: Bruno Kreisky, Aspekte des demokratischen Sozialismus (München 1974) 68–86. 19 Für die besten Zusammenfassungen zum „Eurokommunismus“ siehe: Silvio Pons, The rise and fall of Eurocommunism, in: The Cambridge History of The Cold War, Bd. III.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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