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Eva Pfanzelter
nische Bilateralismus ist so stark, dass dabei Österreich völlig aus dem Blick
geraten ist, was als eklatant zu bezeichnen ist“1.
Diese Feststellung gilt in gewissem Maße auch für die Beziehungen
zwischen Österreich und Italien in den 1930er-Jahren: Die Machtübernahme
der Nationalsozialisten in Deutschland und die zunehmende Annäherung
Italiens ans Deutsche Reich (Achse Berlin-Rom) einerseits sowie der sich an-
bahnende „Anschluss“ Österreichs an eben dieses Deutsche Reich anderer-
seits verdrängten nachhaltig bis heute ein anhaltendes Interesse der zeithis-
torischen Forschung an den Beziehungen zwischen dem austrofaschistischen
Österreich und dem faschistischen Italien. Bis heute gibt es tatsächlich keine
umfassende Analyse der italienisch-österreichischen Beziehungen in den
1930ern-Jahren, aus welcher beispielsweise auch die Südtirolfrage zufrieden-
stellend herausgearbeitet werden könnte. Dabei gab es in der ersten Hälfte
der 1970er-Jahre eine erste Phase der Aufarbeitung: Aufgrund eines regen
wissenschaftlichen Austausches unter Historikern beider Länder kam es zu
einer intensiven Beschäftigung mit den österreichisch-italienischen Bezie-
hungen für die Zeit zwischen Beginn des Ersten und Ende des Zweiten Welt-
krieges2. Zahlreiche Autoren, die sich schon damals mit den dafür relevanten
Themen beschäftigten, widmen dann auch in der Folgezeit ihr Augenmerk
auf die zwischenstaatlichen Beziehungen zwischen Österreich, Italien und
Deutschland. Genannt werden können hier z.B. Adam Wandruszka, Angelo
Ara, Ludwig Jedlicka, Hanns Haas, Hans Kramer, Ennio Di Nolfo, Leopold
Steurer, Karl Stuhlpfarrer, Renzo De Felice, Herbert Miehlser, Silvio Furlani,
Claus Gatterer und nicht zuletzt Pietro Pastorelli, Jens Petersen, Emmerich
Tálos und Wolfgang Neugebauer.
Neuerlich – wenn auch nur als ein Phänomen unter vielen – themati-
siert wurden die Beziehungen der beiden Staaten im Zuge der (Neu-)Aufar-
1 Michael Gehler, Maddalena Guiotto, Maddalena, Italien, Österreich und die Bun-
desrepublik Deutschland in Europa von 1945/49 bis zur Gegenwart. Einleitung zum Buch
und in die Thematik, in: Italien, Österreich und die Bundesrepublik Deutschland in Europa.
Ein Dreiecksverhältnis in seinen wechselseitigen Beziehungen und Wahrnehmungen von
1945/49 bis zur Gegenwart/Italy, Austria and the Federal Republic of Germany in Europe. A
Triangle of Mutual Relations and Perceptions from the Period 1945–49 to the Present, hrsg.
von Michael Gehler, Maddalena Guiotto (= Arbeitskreis Europäische Integration, Histori-
sche Forschungen, Veröffentlichungen 8, Wien–Köln–Weimar 2012) 11–44, hier: 14.
2 Siehe z.B. die Aufsatzsammlung Innsbruck-Venedig. Östereichisch-Italienische His-
torikertreffen 1971 und 1972, hrsg. von Adam Wandruszka, Ludwig Jedlicka (= Veröffent-
lichungen der Kommission für Geschichte Österreichs 6, Wien 1975).
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918