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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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287 Südtirol zwischen Österreich und Italien in den 1930er Jahren Das autoritäre Programm in Österreich war somit nicht anders orientiert, als beispielsweise jene in Italien oder in Deutschland. Einflussreiche Persön- lichkeiten aus Politik, Militär, Kirche und Verwaltung waren in der Zeit un- mittelbar nach dem Ersten Weltkrieg in allen drei Staaten – wie im Übrigen auch anderswo in Europa – offensichtlich nicht davon überzeugt, dass die Demokratie die beste Regierungsform für die Bewältigung der herrschenden Zustände sei, sondern dass vielmehr das parlamentarische System nicht zur notwendigen innenpolitischen und wirtschaftlichen Erholung beitrug. Dies stimmte besonders auch für Tirol, wo bereits unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg Verbrüderungen zwischen antidemokratischen Kräften im Land und solchen in Bayern stattfanden. Die Gruppierungen forderten die Abschaf- fung der falschen, von den Franzosen installierten, Demokratie, drängten auf die Einsetzung einer objektiv richtige Politik, einer Germanischen Demokratie, die durch und durch durchdrungen von einem aristokratischen Bewusstsein von Rang sei und strebten jedenfalls die Revision der Versailler Friedensverträge an29. Ein entscheidendes Element der Annäherung zwischen Österreich und Italien ab Ende der 1920er-Jahre war daher auch diese ideologische Nähe, die sich zwischen den ständestaatlich orientierten Kräften in Österreich und dem faschistischen Italien anbahnte. Mussolini unterstützte ab 1928 mehr oder weniger offen die Etablierung eines rechtsgerichteten, am Vorbild des italienischen Faschismus orientierten politischen Systems. Dazu gehörte au- ßerdem die Unterstützung von Revisionsbestrebungen in Ungarn sowie die Annäherung Bulgariens oder Rumäniens. Von besonderer Bedeutung jedoch war, Österreich in die ideologische Nähe zum Faschismus zu bringen. Seit 1928 flossen daher regelmäßig Gelder an die österreichischen Heimwehren, die sich damit konsolidieren und einer allfälligen Schwächung durch die So- zialdemokratie entziehen können sollten. Die Südtirolfrage blieb dabei ein schwieriges Thema – so sehr, dass zeitweise italienische Vorschläge lieber mittels der ungarischen Regierung, zu der Rom ein immer besser werdendes Verhältnis unterhielt, nach Wien überbracht wurden. Sollte es gelingen, Ös- terreich der „freimaurerischen Demokratie“ zu entziehen, dann bliebe den in Österreich verbliebenen politischen Parteien gar nichts anderes übrig, als 29 I.O.: “[…] permeated through and through by an aristocratic consciousness of rank“, Tim Kirk, Fascism and Austrofascism, in: Pelinka, Bischof, Lassner, The Dollfuss/Schusch- nigg Era 10–31, hier: 16 f.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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