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Eva Pfanzelter
das Land am italienischen Faschismus zu orientieren, war die italienische
Diplomatie überzeugt30.
Einen entscheidenden Schritt in Richtung eines autoritären politi-
schen Systems vollzog die österreichische Regierung, als Engelbert Dollfuß
1932 an die Macht kam. Wie bereits frühe Politik-Analysen zeigten, führte
Dollfuß diese Neuausrichtung zur Machterhaltung und nicht etwa aus poli-
tischer Notwendigkeit aus31. Der Sozialdemokrat und spätere Bundespräsi-
dent, Adolf Schärf, fand 1949 scharfe Worte für die Vorgehensweise der Re-
gierung Dollfuß:
Da die Christlichsozialen nach den Regeln der Demokratie unterlegen waren,
verloren sie auf einmal die Lust an der Demokratie; der Gedanke, die Spiel-
regeln der Demokratie einmal gegen sich gelten zu lassen, kam keinem ihrer
Männer. Natürlich konnte eine Regierung, die gegen die stärkste Partei des
Landes, die Sozialdemokraten gerichtet war, nicht stark sein – wenn, ja wenn
man bei der Demokratie blieb.32
Zwar ist hinter den Aktionen Dollfuß′ keine systematische, ideologisch
durchdachte und geplante Politik der Faschisierung Österreichs zu erkennen,
doch getrieben von innen- und außenpolitischem Druck wählte der Bundes-
kanzler die Beseitigung der Demokratie als jenen Weg, der seine Macht si-
cherte und konsolidierte33. Der Weg, den er schließlich einschlug, sollte zu
einem eigenen, ganz spezifisch österreichischen Faschismus führen. Im Zuge
der Machtkonsolidierung 1933 geschah so eine politische Neuausrichtung:
weg von einer parlamentarischen Demokratie hin zu einem autoritären Staat
mit anti-kommunistischer und anti-nationalsozialistischer Ausrichtung. Ita-
lien unterstützte diesen Umbruch des politischen Systems in Österreich nicht
nur finanziell, sondern besonders auch ideologisch. Zwischen 1933 und 1936
30 Il Ministro degli esteri, Grandi, al ministro a Budapest, Arlotta, Rom, 5.1.1931, in: DDI,
Settima Serie: 1922-1935, Volume X: 1 gennaio–4 settembre 1931 (Roma 1978) 6 ff.
31 Siehe dazu etwa auch der Nachdruck des bereits 1949 publizierten Bandes „Geheimer
Briefwechsel Mussolini-Dollfuß“, der mit einem Vorwort von Adolf Schärf und erläuternden
Texten von Karl Hanis Sailer erschienen war und bereits kurz nach Kriegsende zu diesen Er-
gebnissen kam: „Der Führer bin ich selbst“. Engelbert Dollfuß-Benito Mussolini Briefwechsel
hrsg. von Wolfgang Maderthaner, Michaela Maier (Wien 2004) 7–10.
32 Adolf Schärf, Vorwort, in: Maderthaner, Maier, „Der Führer bin ich selbst“ 15–20, hier 19.
33 Tim Kirk, Fascism and Austrofascism 20–23.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918