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Die katholische Kirche in Südtirol 1918–1940
dagegen erhob Trient zum Erzbistum, und Endrici wurde 1929 erster Erz-
bischof. Schwierig einzuschätzen ist freilich seine Rolle bei der Einweihung
des faschistischen Siegesdenkmals in Bozen, das er in Gegenwart Viktor Em-
manuels III. segnete.
In Innsbruck baute Sigismund Waitz bis zu seiner Abberufung im Jahr
1938 quasi-diözesane Strukturen auf. Hier traf er auf seinen alten Mentor
Aemilian Schöpfer, der nach dem Krieg interimistisch Landeshauptmann
von Tirol gewesen war und nun von Innsbruck aus das Presseunternehmen
„Tyrolia“ leitete, in dessen Organen der Gedanke der Tiroler Einheit hochge-
halten wurde. Das gilt auch für die Südtiroler Zeitungen, die freilich ab 1921
auf Weisung des Bozner Provinzpräfekten in die Eigenständigkeit entlassen
werden mussten.
In der Rumpfdiözese Brixen wurde die Situation nach der faschisti-
schen Machtübernahme im Oktober 1922 zunehmend schwieriger22. Aus
Sicht des Systems war dieses Gebiet problematischer als die deutschen De-
kanate von Trient. Jene standen unter einem italienischen Bischof und waren
eingebunden in ein mehrheitlich italienisches Bistum. Das Bistum Brixen da-
gegen war fast ausschließlich deutsch-ladinisch geprägt. Von daher stellte
sich die Frage der Nationalität des Oberhirten hier mit einiger Dringlichkeit.
Erst am 29. April 1921 konnte nach dreijähriger Vakanz der Bischofsstuhl
durch die Ernennung Johannes Raffls wieder besetzt werden23. Es war die
erste freie päpstliche Ernennung nach dem Wegfall des kaiserlichen Nomi-
nationsrechtes. Seit dem Frühjahr 1918 hatte Franz Schmid als Kapitelsvikar
das Bistum geleitet, mehr Verwalter als Gestalter und von Waitz offenkundig
in politicis in den Schatten gestellt. Bis zum faschistischen „Marsch auf Rom“
gab es keine größeren Konflikte mit der italienischen Politik. Als Zeichen da-
für mag gedeutet werden, dass der König das Exequatur für Raffl problemlos
aussprach. Seit 1922 begannen dann die Schikanen gegen die Brixner Kir-
che. Sie betrafen zunächst das Kleine Seminar Vinzentinum in Brixen. Öster-
reichischen Konviktualen wurde ab 1926 die Einreise verweigert und dem
22 Alfons Gruber, Südtirol unter dem Faschismus (= Schriftenreihe des Südtiroler Kultu-
rinstituts 1, Bozen 31978); Sergio Benvenuti, Sergio: La diocesi di Bressanone e la „questione
nazionale“ dell’Alto Adige nella politica del governo fascista, in: Studi trentini di scienze sto-
riche 56 (1977) 397–451.
23 Gelmi, Geschichte der Kirche 232–249.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918