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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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316 Jörg Ernesti der Präfekt nicht darauf ein, sondern verwies auf die Möglichkeit, dem Kron- prinzen sein Anliegen am Rande des Diners vorzubringen. Der Bischof er- klärte sich einverstanden und lud im kleinen Kreis nach Bruneck ein42. In der Tat kam es nach Aufhebung der Tafel zu einem kurzen Vieraugengespräch43. 5. Der Schatten des Nationalsozialismus In den Jahren 1929–1933 war die Schraube gegen die deutsche Bevölkerung Südtirols eher gelockert worden. Dann jedoch bekamen die deutschspra- chigen Gläubigen einen schärfer antideutscher Kurs zu spüren. Schikanen gegen Geistliche nahmen zu. Vermehrt wurden italienische Geistliche ein- geschleust44. Am 26. Juni 1939 kam es zum Abkommen zwischen der italienischen und der deutschen Regierung und der Möglichkeit, eine Option für Deutsch- land vorzunehmen45. Jene Personen, die für Deutschland stimmten, sollten andernorts geschlossen angesiedelt werden, nach Hitlers Vorstellung in den neu zu erobernden Gebieten im Osten. 87% der Bevölkerung optierten für Deutschland, 75.000 Menschen wurden bereits während des Krieges umge- siedelt. Die wichtigsten die Kirche betreffenden Dokumente wurden von Jo- sef Gelmi aufwendig ediert (jeweils mit anastatischem Nachdruck)46. Fürstbischof Geisler scheint zunächst noch geglaubt zu haben, eine neutrale Position einnehmen zu können. Ob er ermessen konnte, dass eine Option für Deutschland auch eine Option für den Nationalsozialismus dar- stellte, ist schwer zu sagen47. Jedenfalls sind bis 1945 keine Äußerungen aus seinem Mund überliefert, die auf eine Sympathie für diese Weltanschauung 42 Gelmi, Fürstbischof Johannes Geisler, Dok. 35–36 198 f. vom 9.5.1938. 43 Gelmi, Fürstbischof Johannes Geisler 43–52. 44 Heiss, Schutzmacht und Ohnmacht 96; 105–109; Horst Schreiber, Nationalsozialismus und Faschismus in Tirol und Südtirol. Opfer, Täter, Gegner (= Nationalsozialismus in den österreichischen Bundesländern 1, Innsbruck et al. 2008). Die Rolle der Kirche wird fast voll- ständig ausgeblendet. 45 Josef Gelmi, Kirche und Option, in: Die Option der Südtiroler, hrsg. von Rudolf Lill (= Süd- tiroler Kulturinstitut: Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstitutes 16, Bozen 1991) 161–176. 46 Gelmi, Fürstbischof Johannes Geisler. 47 Josef Gelmi, Warum hat Geisler 1940 für Deutschland optiert? in: der Schlern 63 (1989) 372–381.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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