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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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317 Die katholische Kirche in Südtirol 1918–1940 schließen lassen. Am 27. Oktober 1939 erging eine Weisung an den Klerus, keine Propaganda für die Option oder für das Dableiben zu machen. Pries- ter sollten sich auf die geistliche Betreuung der betroffenen Menschen kon- zentrieren48. Er persönlich war von Anfang an pessimistisch, glaubte nicht daran, dass die deutsche Volksgruppe in Südtirol verbleiben könne, sondern rechnete mit Umsiedlungen von Nicht-Optanten. Dies schien er auch dem vatikanischen Staatssekretariat mitgeteilt zu haben, wie aus einem Gespräch zwischen Außenminister Graf Ciano und dem Nuntius Francesco Borgoncini Duca im November 1939 hervorgeht. Ciano bemerkte: Versichern Sie ruhig Sei- ner Eminenz [= Kardinalstaatssekretär Luigi Maglione] in meinem Namen, dass die Bevölkerung nicht umgesiedelt wird (…) Sie sind frei, weiterhin in Südtirol zu le- ben.49 Geisler wandte sich am 2. Dezember an den Papst selbst und schilderte ihm seine Gewissensnot50. Die Neutralität der Bistumsleitung wurde freilich immer mehr als Par- teinahme zugunsten der Option gedeutet, zumal sich im Klerus eine Mehr- heit für das Dableiben herauskristallisierte. Offenkundig um den Bischof unter Druck zu setzen, seine Haltung aufzugeben, wurde eine Befragung im Klerus durchgeführt, die ihm mit Datum vom 12. Dezember 1939 von Dompropst, Domdekan und Regens des Priesterseminars präsentiert wurde. Demnach wollten 211 von 233 Priestern in Brixen bleiben und nicht optieren51. Unter den Befürwortern des Dableibens tat sich vor allem Michael Gamper hervor, der unter hohem Risiko für seine Person werbend von Ort zu Ort zog. In einem flammenden Appell wandten sich die genannten drei Wür- denträger am 22. Januar noch einmal brieflich an ihren Oberhirten: „Der Diözesanklerus bittet aus ganzem Herzen, dass unsere Diözese samt ihren ganzen Einrichtungen erhalten bleibe und dass auch der gegenwärtige Fürst- bischof Dr. Johannes Geisler die Diözese weiter leite.“52 Es sollte also auch 48 Gelmi, Fürstbischof Johannes Geisler, Dok. 38 201 (auch bei Steininger, Südtirol im 20. Jahrhundert, Dok. 21 79). 49 Gelmi, Fürstbischof Johannes Geisler, Dok. 40 208 f. (Zitat 209, 24.11.1939). (Übers. d. Verf.) 50 Gelmi, Fürstbischof Johannes Geisler, Dok. 41 210 f. 51 Gelmi, Fürstbischof Johannes Geisler, Dok. 42 211 f. Der Bischof hatte die Befragung erlaubt. 52 Gelmi, Fürstbischof Johannes Geisler, Dok. 45 219–225 (Zitat: 219; Hervorhebung im Original).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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