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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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328 Stefan Lechner Österreich ein Mitspracherecht in dieser Frage zu entziehen26. Dies erscheint durchaus plausibel. Nach der Unterzeichnung des Pariser Abkommens ersuchte die SVP noch im September um die Suspendierung des Gesetzes, weil man sich nun eine noch bessere Lösung erhoffte, möglichst sogar eine pauschale Ungültig- keitserklärung der Optionen27. Diese Linie verfolgte u.a. der Kronjurist der SVP, Karl Tinzl, selbst Optant und in der NS-Zeit Präfekt der Provinz Bozen und damit vom Ausschluss vom Wiedererwerb der italienischen Staatsbür- gerschaft bedroht. Sein Bestreben, eine Annullierung der deutsch-italieni- schen Optionsvereinbarung durchzusetzen, mit dem Argument, es habe sich um ein Abkommen zwischen zwei verbrecherischen Regimen gehandelt, war im Rückblick betrachtete jedoch unrealistisch. Zumindest Teile der SVP-Füh- rung machten bei Versammlungen Hoffnung auf eine Annullierung des Ab- kommens, wozu es gute Gründe gäbe, wie Friedl Volgger im Oktober 1946 in Meran meinte28. Bis zur Aufnahme der im Pariser Abkommen vorgesehenen bilateralen Gespräche zwischen Italien und Österreich sollten aber noch viele Monate verge- hen. Dies hatte in erster Line mit Außenminister Gruber zu tun. Gruber bewertete das Abkommen trotz scharfer Kritik aus den eigenen Reihen als großen österrei- chischen Erfolg, wobei er der angepeilten Lösung der Optantenfrage besonderes Gewicht beimaß. Er verstieg sich sogar zur Aussage, dass er die Annahme des Abkommens auch dann empfohlen hätte, wenn lediglich das Optanten-Problem gelöst worden wäre29. Österreich empfand die Anwesenheit von Zehntausenden 26 Ebd. 229. 27 Innocenti an De Gasperi, Bozen, 5. 10. 1946, 2. Archivio generale della Presidenza del consiglio dei ministri (PCM), Ufficio per le zone di confine (UZC), Sez. III, b. 1. Die Landes- stelle für Südtirol der Tiroler Landesregierung hielt die Formulierung der Ausschließungs- gründe im Gesetzentwurf als zu „kautschukmäßig“, was die Möglichkeit böte, viel mehr als die zugesagten 200 in Südtirol verbliebenen Optanten vom Wiedererwerb der italienischen Staatsbürgerschaft auszuschließen. Stellungnahme der Landesstelle für Südtirol, 9. 10. 1946, in: Gehler, Akten zur Südtirol-Politik 1, Dok. 225, 479. Hinter der „Aufkündigung“ der Ver- einbarung von Seiten der SVP vermutet Steurer jedoch nicht nur die Tiroler Landesregie- rung, sondern auch die Hardliner der Volkspartei, die eine allzu strenge Entnazifizierung durch den Ausschluss von der italienischen Staatsbürgerschaft befürchtet hätten. Steurer, Südtirol 1943–1946 97. 28 Quästur Bozen (Antonino Pizzuto) an die Präfektur Bozen, Bozen, 5. 11. 1946. PCM, UZC, Sez. III, b. 1. 29 So Gruber im österreichischen Ministerrat am 1. Oktober 1946. Ermacora, Geheim- bericht 243.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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