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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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329 Die Revision der Staatsbürgerschaftsoptionen von 1939 von Umsiedlern auf seinem Staatsgebiet als große Belastung. So hatte Gruber be- reits Ende Jänner 1946 gegenüber dem Alliierten Rat geklagt, dass die Optanten, die sich in Österreich aufhielten, die angespannte Wohnungs- und Ernährungs- lage in einem außerordentlich hohen Maße strapazieren würden, da die meisten von ihnen vollkommen mittellos seien30. Obwohl er somit die Brisanz der Proble- matik und die Notwendigkeit einer Lösung allein schon aus österreichischer Per- spektive erkannte, ließ er sich mit der Umsetzung überraschend viel Zeit. Die SVP hingegen drängte noch im Herbst 1946 auf die Aufnahme bilateraler Gespräche. In Wien schien man aber keine Eile zu haben. Zunächst hielt Gruber es entgegen der SVP-Leitung und seiner noch in Paris vertretenen Position sogar für das Beste, wenn das bereits ausgearbeitete Optantengesetz möglichst bald in Kraft trete31, ohne dieses allerdings im letzten Detail zu kennen32. D.h., er hätte es vorgezogen, in der Optionsangelegenheit überhaupt nicht mehr mit Italien ver- handeln zu müssen und mit der Rückführung der Südtiroler möglichst bald zu beginnen. So wurde im Dezember 1946 zur Durchführung der Rücksiedlung der Südtiroler die Errichtung einer Außenstelle des österreichischen Bundeskanzler- amtes in Innsbruck beschlossen33. Der designierte Leiter der Stelle, Erich Kneußl, meinte im Februar 1947, die vordringlichste Frage […], vom Standpunkte der Südtiroler aus betrachtet überhaupt die vordringlichste, ist die Lösung der Optantenfrage, die sofort in Angriff genommen werden müsse34. Trotz dieser eindringlichen Mahnung ließ der Beginn der vorgesehenen Konsultationen weiterhin auf sich warten. Die SVP wurde zunehmend ungeduldiger und auf der Landesver- sammlung im Februar 1947 appellierte Parteiobmann Erich Amonn nach- drücklich an die österreichische und italienische Regierung, das Problem zu lösen, da die Frage der Rückkehr der abgewanderten Südtiroler die Voraussetzung 30 Außenminister Gruber an den Alliierten Rat, Wien, 24. 1. 1946, in: Das Degasperi-Gru- ber-Abkommen anhand italienischer und österreichischer diplomatischer Dokumente, hrsg. von Enrico Serra (Trient 1989) 61–64, hier: 63. 31 Raffeiner, Tagebücher, Eintrag vom 26. 9. 1946, 157; auch: Der italienische Handels- delegierte in Wien, Roberto Gaja, an De Gasperi, Wien, 2. 10. 1946, in: DDI, X/4, Dok. 366. 32 Legationsrat Coppini an Außenminister Pietro Nenni, Wien, 18. 1. 1947, in: DDI X/4, Dok. 672, 773. 33 Information von Erich Kneußl zur Aufgabenstellung der Außenstelle, [Jänner/Februar 1947], in: Gehler, Akten zur Südtirol-Politik 1, Dok. 298. 34 Erich Kneußl, Bericht über die Errichtung der von der Bundesregierung errichteten Außenstelle des Bundeskanzleramtes in Innsbruck, 14. 2. 1947, in: Gehler, Akten zur Süd- tirol-Politik 2, Dok. 1, 60.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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