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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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336 Stefan Lechner tungen, als Gegengeschäft zu einer Loyalitätserklärung bzw. Verzichtserklä- rung Österreichs auf Südtirol sei Rom zu Kompensationen bereit71. Im österreichischen Außenministerium signalisierte man bald die Be- reitschaft, dem italienischen Wunsch nach einer Erklärung zur Loyalität der Rücksiedler gegenüber Italien nachzukommen72. In Wien musste man erken- nen, dass es ein Fehler gewesen war, den einstigen relativ liberalen Inno- centi-Entwurf nicht akzeptiert zu haben. Verweise auf die 1946 zwischen Rom und Bozen vereinbarten vorteilhafteren Lösungen entkräftete man in Rom mit der Behauptung, im eigentlichen Sinn habe es sich beim Projekt von 1946 um keinen Gesetzentwurf gehandelt, sondern um Wünsche zur Lösung des Problems, ausgearbeitet von einer fast ausschließlich deutschsprachigen Kommission73. Dies entsprach freilich nicht den Tatsachen. Dabei herrschte in den meisten Punkten mehr oder weniger Über- einstimmung zwischen den italienischen und den österreichisch/südtiro- lerischen Vorstellungen. Es spießte sich im Wesentlichen an einem einzigen Punkt, nämlich am Art. 5, der die Gründe für den Ausschluss vom Wieder- erwerb der italienischen Staatsbürgerschaft für von Deutschland eingebür- gerte Optanten formulierte, egal ob abgewandert oder nicht. Diese Gründe betrafen eine Verstrickung mit dem Nationalsozialismus, Kollaborationsver- brechen und antiitalienische Agitation, so dass das Optantengesetz als Säu- berungsgesetz gelten kann74. Allerdings hegte man in der SVP den Verdacht, durch eine vage Formulierung könnten auch Nichtbelastete betroffen sein, mit dem Ziel, die Südtiroler Intelligenz auszuschalten. Die Südtiroler Volkspartei wurde immer ungeduldiger ob der ausstehenden Lösung. Eine SVP-Delegation mit Parteiobmann Erich Amonn an der Spitze flehte deshalb Gruber Anfang September regelrecht an, zu mündlichen Ver- handlungen überzugehen, da die Methode des Austauschs von Noten und der 71 Otto von Guggenberg, Gedächtnisprotokoll über die Romreise vom 29. 7. bis 3. 8. 1947, Nachtrag, Bozen, 6. 8. 1947, in: Gehler, Akten zur Südtirol-Politik 2, Dok. 225 A, 472. 72 Coppini an Außenminister Sforza, Wien, 18. 6. 1947. DDI X/6, Dok. 107, 149. 73 Risposta al promemoria del Governo austriaco in data 26 giugno 1947, Wien, 18. 8. 1947, in: DDI X/5, Anhang zum Dok. 436, 583. auch Eugen Buresch, Aktenvermerk über die Unterredung zwischen Innocenti und Legationsrat Josef Kripp am 12. 8. 1947, 12. 8. 1947, in: Gehler, Akten zur Südtirol-Politik 2, Dok. 253, 527. 74 Dazu Stefan Lechner, Una denazificazione posticipata. Le riopzioni del 1948 e il pro- cedimento di esclusione dalla cittadinanza italiana, in: D’Amelio, Di Michele, Mezzalira, La difesa dell‘italianità 209–229.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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