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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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345 Der Sonderfall: Südtirol und die Grenzen der österreichischen Nachkriegsnation wendigkeit, ihre Argumentation auf eine breitere Grundlage zu stellen, und entwickelten die Lehre vom Österreichischen Menschen. Der Österreicher wurde als übernationaler Mittler zwischen den Völkern beschrieben, als sprachengewandt, anpassungsfähig, kunstsinnig und ganz von der Tradition des Kaiserreiches geprägt12. In den 1930er-Jahren schlossen sich kommunistische Stimmen dieser Neuorientierung an. Alfred Klahrs im Jahre 1937 in „Weg und Ziel“ veröf- fentlichte Beitragsreihe zu diesem Fragenbereich kann als theoretische Grün- dungsurkunde der Österreichischen Nation gesehen werden und gipfelte in der Forderung: Können wir, die kommunistische Partei und die revolutionäre Arbei- terbewegung, die Entwicklung der österreichischen Nation öffentlich anerkennen und fördern? Wir können dies nicht nur, wir müssen es heute tun.13 Die Kurswende der Partei wurde allerdings nicht in Österreich, sondern von der Komintern-Zen- trale in Moskau festgelegt, der jedes Mittel zur Verhinderung des durch einen möglichen Anschluss drohenden Machtzuwachses für ihren nationalsozia- listischen Hauptwidersacher recht sein musste. Radomir Luža beschrieb die Hintergründe dieser Einflussnahme: „Der Promotor der neuen KP-Politik der österreichischen Unabhängigkeit, Georgi Dimitrov, Sekretär der Komintern, setzte das Thema offensichtlich nach Abschluss des Abkommens vom 12. Juli 1936 zwischen Hitler und Schuschnigg durch. Noch am 11. Juli hatte das Politbüro der KPÖ die alte These aufrechterhalten, wonach sich 'die Öster- reicher als Teil der deutschen Nation betrachten, mit der sie sich vereinigen würden'“.14 Die Österreichische Nation galt den Monarchisten als einzige Hoff- nung auf die Wiederkehr des habsburgischen Kaisertums, den Kommunisten als Beitrag zur außenpolitischen Sicherheit der Sowjetunion. Nachdem ein selbst aus Österreich stammender Diktator den Anschluss im Jahre 1938 den- noch vollzogen hatte – allerdings unter Umständen, die sich erheblich von der Vorstellung der demokratischen Großdeutschen des Jahres 1918 unterschie- den – schien der Gedanke an ein eigenständiges österreichisches Staatswesen 12 Siehe dazu Oscar Schmitz, Der österreichische Mensch (Wien 1924). 13 Siehe dazu Rudolf [Alfred Klahr], Zur nationalen Frage in Österreich, in: Weg und Ziel, Blätter für Theorie und Praxis der Arbeiterbewegung, 2:3 (1937) 126–133, und 2:4 (1937) 173–181, und Franz Marek, Die österreichische Nation in der wissenschaftlichen Erkenntnis, in: Die österreichische Nation, hrsg. von Albert Massiczek (Wien 1967) 156. 14 Radomir Luza, The Resistance in Austria, 1938–1945 (Minneapolis 1984) 23.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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