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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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376 Federico Scarano Italiener beharrten auch auf der These, dass das neue demokratische Italien den Südtirolern all jene Rechte eingeräumt hätte, die sie während des Faschis- mus nicht hatten, neben anderem auch eine lokale Autonomie, wohingegen – wie auch De Gasperi anmerkte – in fast ganz Mittel- und Osteuropa germa- nische Bevölkerungsgruppen mit Gewalt aus Gebieten vertrieben wurden, in denen sie über Jahrhunderte gelebt hatten. Die Südtiroler und Österreicher versuchten auf jegliche Art und Weise, die Alliierten von ihren Forderungen zu überzeugen, mit großen Veranstal- tungen, unzähligen Denkschriften und Telegrammen wie jenes, das Gruber den Außenministern der vier Siegermächte Ende August 1945 schickte. Darin erklärte er, nicht an die Autonomie-Versprechungen Italiens für Südtirol zu glauben, denn diese wurden nach dem Ersten Weltkrieg bereits mehrmals geäußert, jedoch nie erfüllt45. Einige radikale Südtiroler verübten sogar Bom- benanschläge. Ihr Ziel – so Leopold Steurer – war es, in Südtirol einen Bür- gerkriegszustand zu erzeugen, der in völligem Widerspruch zur Politik der SVP stand46. Das erste Attentat wurde in der Nacht vom 20. auf 21. Februar 1946 um 00:45 Uhr verübt. Dabei wurde der Sockel des Andreas-Hofer-Denk- mals in Meran mit Dynamit in die Luft gesprengt. Es handelte sich um eine Operation, die man heute als „false flag“ bezeichnen würde, einem verübten Attentat, um die Italiener zu beschuldigen und Aufmerksamkeit auf die Süd- tirolfrage zu lenken. Der Täter war Edmund Weber, ein Mitglied der österreichischen Volkspartei. Als Drahtzieher fungierte jedoch Ludwig Steiner47, ein Mitglied der österreichischen Widerstandsbewegung und wichtiger späterer Diplo- mat, der von 1961 bis 1964 Staatssekretär im Außenministerium und viele Jahre Abgeordneter der Österreichischen Volkspartei war. Die Südtiroler Volkspartei schickte De Gasperi ein Protesttelegramm. Gruber untersagte Gegenmaßnahmen48, wie von den Briten empfohlen, die schon über den Vor- fall informiert waren, der fälschlicherweise Italien zugeschrieben wurde. Mezzalira, Miori, Perez, Romeo, Dalla liberazione alla ricostruzione 33–56. 45 ASP 1945–1958, I, Doc. 15 68. 46 Leopold Steurer, Südtirol 1943–1946. Von der Operationszone Alpenvorland zum Pa- riser Vertrag in: Heiss, Pfeifer, Südtirol – Stunde Null? 80. 47 Hans Karl Peterlini, Feuernacht. Südtirol Bombenjahre Hintergründe, Schicksale, Be- wertungen 1961–2011 (Bozen 2011) 21. 48 Gehler, Verspielte Selbstbestimmung, Doc. 61, 227 f., 595.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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