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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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425 Sozialistische Beiträge zur Nationalitätenfrage in Tirol und Südtirol 1890–1992 sich Battisti von der Idee eines supranationalen Tirol bereits entfremdet18. So erklärte er auf der ersten Landtagssitzung, als sozialistischer Vertreter der Stadt Trient (…) den Grundsätzen meiner Partei und der Gleichheit der Nationen zu Eh- ren diesen Landtag nicht als legitime Vertretung der italienischen Bevölkerung der Provinz anzuerkennen. Wir denken, dass ein Gerechtigkeitsempfinden dazu führen müsste, dass ein italienischer Landtag auf der einen und ein deutscher Landtag auf der anderen Seite existierten19. Rückblickend lassen sich zwei Ursachen feststellen, die für das Schei- tern der sozialistischen Autonomiebestrebungen des Trentino bzw. des Brünner Nationalitätenprogramms im regionalen und gesamtstaatlichen Rahmen maßgeblich waren: 1) Trotz der befriedenden Intention, die dem Brünner Nationalitäten- programm innewohnte, stellte seine offene Formulierung in letzter Konse- quenz keine Überwindung der nationalen Differenzen innerhalb Österreichs dar, wie dies z.B. das Konzept einer sprachgruppenübergreifenden „Willens- nation“ nach Schweizer oder us-amerikanischem Vorbild hätte darstellen können20. Vielmehr kam die Idee des Nationalitätenbundestaates indirekt einer Anerkennung (nicht einer Überwindung) der nationalen Gegensätze innerhalb der Monarchie gleich, denen durch Konzessionen lediglich ihre Schärfe genommen werden sollte. Allein über die Relativierung ethnonatio- naler Gegensätze konnte die Sozialdemokratie die Maximalforderung natio- nalistischer Sezessionisten aller Lager im Kern jedoch nicht widerlegen. Viel- mehr trug sie dadurch indirekt zum Auseinanderdriften der Monarchie bei. 18 Auch Benito Mussolini, der als Sozialist 1909 kurzzeitig im Trentino aktiv gewesen war, bewertete die sozialistische Autonomiekampagne der Trentiner 1911 bereits resignie- rend: Die autonomistische Losung: Eigene Regierung in Trient im Namen des Volkes und für das Volk, die von den Sozialisten im Rahmen ihrer Kampagne propagiert wurde, ist mittlerweile über- holt, und die Wahrscheinlichkeit eines autonomen Trentino ist eher gesunken als gestiegen. Von oben wird sie nicht kommen, und von unten gibt es niemanden, der sich für sie einsetzt. Von oben kamen nichts als Versprechungen und Täuschungsmanöver, eines gravierender als das andere. Angefangen beim formalen Versprechen von Kaiser Leopold im Jahr 1790 bis hin zu jenen der Minister von 1871; 1893–1894 war eine einzige Anhäufung von Schmeichelei und Verrat. Im Volk des Trentino selbst kam es nie zum Ausbruch einer Revolte. Benito Mussolini, Il Trentino. Veduto da un socialista (Firenze 1911) 78. (Übers. d. Verf.) 19 Cesare Battisti zitiert nach Österreichische Nationalbibliothek, Historische Rechts- und Gesetzestexte Online (ALEX), Stenographische Berichte Tirol, 1914, Stenographische Berichte des Landtages für die gefürstete Grafschaft Tirol, 5, online abrufbar unter http:// alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=spt&datum=1914&page=119&size=45 (letzter Zugriff: 28.08.2017, Übers. d. Verf.) 20 Vgl. Mommsen, Nationalitätenfrage und Arbeiterbewegung in Mittel- und Osteuropa 83.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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