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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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448 Joachim Gatterer ziale Aufschwung, den die deutschsprachige und ladinische Bevölkerung im Zuge des Ausbaus der lokalen Selbstverwaltung nunmehr erlebte, schuf jedoch eine neue nationale Schieflage, da der positive Entwicklungstrend teilweise auf Kosten der italienischsprachigen Bevölkerung erfolgte. Mit Be- ginn der Arbeitsplatzvergabe in der öffentlichen Verwaltung nach dem 1976 eingeführten „ethnischen Proporz“ reduzierten sich Berufschancen, öffent- liche Finanzressourcen und damit Zukunftsperspektiven gerade für die ita- lienischsprachige Bevölkerung Südtirols, die in der Öffentlichen Verwaltung bis dahin vorwiegend beschäftigt gewesen war98. Als jene Parteien, die den ethnischen Proporz in den 1960er-Jahren ausverhandelt und mit Verabschie- dung des Zweiten Autonomiestatuts im Parlament verfassungsrechtlich ver- ankert hatten, verloren sowohl Christdemokraten als auch die italienischen Linksparteien über die 1980er-Jahre bei Landtags- und Kommunalwahlen in Südtirol drastisch an Zustimmung99. Das parallel zur Umsetzung des Zweiten Autonomiestatuts ansteigende Unbehagen der Italiener Südtirols (sogenann- ter „Disagio“) konnten vor allem die italienischen Neofaschisten (Movimento Sociale Italiano, MSI) auffangen. Deren seit 1948 praktizierte Totalverweige- rung gegenüber der Südtirolautonomie verschärfte die politische Lage in der Region, wobei der MSI nach Verabschiedung des Zweiten Autonomiestatuts bis weit in die 1990er-Jahre hinein stur auf einer Totalrevision dieser Rege- lung beharrte100. Demgegenüber formulierte die aus der 68er-Bewegung hervorgegan- gene Neue Linke/Nuova sinistra bereits Ende der 1970er-Jahre konstruktive 2011) 427–453, hier: 445–451. 98 Giovanni Poggeschi, Der ethnische Proporz, in: Die Verfassung der Südtiroler Auto- nomie. Die Sonderrechtsordnung der Autonomen Provinz Bozen/Südtirol, hrsg. von Joseph Marko (Baden-Baden 2005) 322–331. 99 1978 hielten Kommunisten, Sozialisten, deutsche und italienische Sozialdemokraten und die Neue Linke im Südtiroler Landtag gemeinsam sieben Mandate, die Democrazia Cristiana vier Mandate und der MSI ein Mandat. 1993 kam der Partito Democratico della Sinistra als einzig verbliebene italienische Linkspartei auf ein Mandat, die DC-Nachfolge- partei Partito Popolare auf zwei Mandate und der MSI auf vier Mandate. Südtirol Handbuch hrsg. von der Autonomen Provinz Bozen (Bozen 2007) 80, 84. 100 Günther Pallaver, Südtirols politische Parteien 1945–2005, in: Die Region Trenti- no-Südtirol im 20. Jahrhundert. I. Politik und Institutionen, hrsg. von Giuseppe Ferrandi, Günther Pallaver. (Trient 2006) 589–628, hier: 615 f. Zum Unbehagen (Disagio) der Italiener Südtirols seien folgende zwei Publikationen exemplarisch genannt: Hartmann Gallmetzer, Meine Heimat Südtirol – mein Vaterland Italien. Ein Gespräch mit Romano Viola (Bozen 1999); Lucio Giudiceandrea, Spaesati. Italiani in Südtirol (Bozen 2007).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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