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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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452 Joachim Gatterer auf importierte theoretische Konzepte zu berufen, wodurch sie erste Ansätze eines alternativen Südtirolpatriotismus hervorbringen konnte. Der Erfolg jedweder Nationalitätenpolitik ist weiters – auch das wur- de in den Ausführungen evident – letztlich an den Zugang zur politischen Macht gekoppelt. Die sozialistische Arbeiterbewegung Tirols wurde dies- bezüglich von zwei entscheidenden Hemmnissen stark eingeschränkt: Zum einen befand sie sich in der Region gegenüber ihren Konkurrenzparteien un- terschiedlicher ideologischer Ausprägung durchwegs in einer klar unterlege- nen Position, die über längere Zeiträume sogar bis hin zur Illegalität reichte. Zum anderen wurde eine tirolspezifische Nationalitätenpolitik häufig außer- halb der Region – in staatlichen Regierungsgremien in Wien, Rom, Berlin, auf internationalen Friedenskonferenzen und vor den Vereinten Nationen – betrieben, d.h. in einem Kontext, in welchem Exponenten der regionalen Arbeiterbewegung durchwegs keinen, bestenfalls einen indirekten Einfluss geltend machen konnten. Aus diesen Hemmnissen ergab sich folglich, dass sozialistische Na- tionalitätenpolitik in Tirol und Südtirol über weite Strecken, bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein, fast ausschließlich im Stadium der Theo- riebildung steckenblieb. Die Praxis beschränkte sich auf die innere Organi- sation der eigenen Parteien bzw. politischen Bewegungen, in denen phasen- weise (etwa in der altösterreichischen Sozialdemokratie, in der KPI nach 1945, in der Neuen Linken) stärker als in bürgerlichen Parteien die Realisierung kosmopolitischer und internationalistischer Ideen versucht wurde. Nationale Gegensätze blieben jedoch auch in diesen Parteien latent bestehen; ebenso ge- lang es den jeweiligen Parteien nicht, als konsequent antinationalistische oder a-nationale Parteien mehrheitsfähig zu werden. Im Falle der altösterreichi- schen Sozialdemokratie lieferte das Schicksal Cesare Battistis darüber hinaus ein symbolträchtiges, breit rezipiertes (negatives) Exempel für das Scheitern des Tiroler Internationalismus, während wichtige (positive) Beiträge zur Be- friedung des Südtirolterrorismus (etwa durch Bruno Kreiskys diplomatische Verhandlungen oder Sandro Canestrinis Engagement als Strafverteidiger der Südtiroler Sprengstoffattentäter) in diesem Zusammenhang nur bescheidene und verspätete Würdigungen erfahren haben. So bot die Südtiroler Landes- verwaltung beispielsweise 2015 anlässlich des ersten Symposiums zu Bruno Kreiskys Südtirolengagement (40 Jahre nach dem Scheitern des Kreisky-Sara-
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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