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Thomas Riegler
dem Umstand, dass ich sie freundschaftlich empfing, wurden sehr bösartige,
entgegen gesetzte Schlüsse gezogen. Damals, im Gespräch mit diesen Süd-
tirolern, habe ich gelernt, dass aus der Weigerung, zu akzeptablen Lösungen
zu kommen, Stimmungen entstehen können, die dem Terrorismus förderlich
sind.28
Mit den „bösartigen Schlüssen“ spielte Kreisky auf eine Auseinandersetzung
an, in die er 1964 verwickelt wurde. Bevor er sich von Wien aus für Aktionen
in Südtirol absetzte, ließ der BAS-Mann Luis Amplatz (1926–1964) sein Testa-
ment notariell beglaubigen. In einer eidesstattlichen Erklärung nahm er Be-
zug auf das Treffen zwischen Kreisky und den BAS-Leuten vier Jahre zuvor
(er selbst hatte aus Krankheitsgründen daran nicht teilnehmen können): Die
drei Männer haben ihren Standpunkt dargelegt und mit offenen Karten gespielt. Sie
haben auch gesagt, dass es demnächst in Südtirol „schnöllen“ wird. Kreisky hat auf-
merksam zugehört und war mit, was die Männer gesagt haben, auch einverstanden.
Der Außenminister habe sogar ausdrücklich festgehalten: Es ist gut, wenn es
in Südtirol einmal bumst, denn nur so wird die Welt auf dieses Problem aufmerksam.29
Nach Südtirol zurückgekehrt, geriet Amplatz kurze Zeit nach Ab-
fassung seines Testaments in eine Falle der italienischen Geheimdienste.
Er wurde in der Nacht vom 7. September 1964 von einem in den BAS einge-
schleusten Spitzel erschossen. Als das Testament daraufhin öffentlich wurde,
stellte Kreisky fest, dass er dem BAS-Mann niemals begegnet sei:
Ich habe immer und überall in Gesprächen mit Südtirolern und anderen Per-
sonen die terroristische Aktivität verurteilt und dabei auch auf ihre Gefähr-
lichkeit und Nutzlosigkeit für die Sache Südtirols hingewiesen, insbesondere
habe ich die großen persönlichen Gefahren dargelegt und das Unglück, das die
Angehörigen der Beteiligten an solchen Aktionen zwangsläufig treffen muss,
vor Augen geführt.30
Im Rahmen einer ORF-Diskussion zur Südtirolproblematik unterstrich Kreis-
ky 1965 nochmals: Ich habe mit Südtiroler Terroristen nie gesprochen. Als ich mit
28 Kreisky, Strom 158.
29 Mosser, Schuöcker, Jelinek, Feuernacht 170.
30 Amplatz 2, Austria Presse Agentur, 13.1.1965
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918