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Was wusste Bruno Kreisky?
rorkampagne in dieser Form nicht möglich gewesen. Allerdings war Kreisky
in diesem Zusammenhang nur ein wichtiger Akteur unter vielen.
Zunächst einmal verfügte der BAS in Nordtirol über eine eigene Zel-
le. Diese wurde bis zum Frühjahr 1959 von dem gut vernetzten ehemaligen
Widerstandskämpfer und Journalisten Wolfgang Pfaundler aufgebaut. Ver-
treten waren neben Bacher, Molden und Widmoser der Innsbrucker Kauf-
mann Kurt Welser (1929–1965), das Künstlerehepaar Klaudius und Herlinde
Molling, der Reiseschriftsteller Heinrich Klier sowie der Innsbrucker Uni-
versitätsassistent Helmut Heuberger. Im Umfeld befanden sich Ermacora,
der Legationsrat im Außenministerium, Josef Dengler, sowie Winfried Platz-
gummer, Mitarbeiter von Staatssekretär Gschnitzer. Ebenso in Verbindung
zum Nordtiroler BAS stand von Beginn an der bereits erwähnte Innsbrucker
Universitätsassistent und spätere Gründer der Nationaldemokratischen Par-
tei (NDP), Norbert Burger (1929–1992). Dieser rekrutierte innerhalb deutsch-
nationaler Burschenschaften eine eigene Gruppe gewaltbereiter Aktivisten44.
Die Kontakte dieser Zelle reichten weiter zu wichtigen Entscheidungs-
trägern. In Nordtirol stand der BAS – wie es Peterlini ausdrückt – „unter der
Schirmherrschaft der Tiroler Landesregierung“45. Landeshauptmann Wall-
nöfer wusste zwar nicht über alle Einzelheiten Bescheid, war aber in die
Sache des BAS eingeweiht46. Offene Sympathie für den BAS zeigten weiters
Landeshauptmannstellvertreter Hans Gamper sowie Otto Gamper, der Inns-
brucker Vizebürgermeister und FPÖ-Obmann47. Seitens der SPÖ war der
bereits erwähnte Landesrat Zechtl in den Aufbau des Nordtiroler BAS ein-
gebunden und stellte die Verbindung nach Wien her, genauso wie Molden
auf der gegenüberliegenden Seite des politischen Spektrums48. Der wichtigs-
te Ansprechpartner für den BAS in Nordtirol war aber der Tiroler ÖVP-Ob-
mann und Landesrat, Aloys Oberhammer (1900–1983), den Josef Fontana gar
als „Übervater des ganzen Unternehmens“ nördlich der Brennergrenze be-
44 Rolf Steininger, Südtirol zwischen Terror und Diplomatie 1947-1969. Band 2: 1960–1962
(Bozen 1999) 500.
45 Peterlini, Feuernacht 75.
46 Peterlini, Südtiroler Bombenjahre 152 f.
47 Ebd. 153.
48 Ebd. 73.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918