Page - 475 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Image of the Page - 475 -
Text of the Page - 475 -
475
Was wusste Bruno Kreisky?
herangetreten, er möge veranlassen, dass bestimmte Mitglieder des BAS von
Pionieren des Bundesheeres im Gebrauch von Sprengstoff, Hohlhaftladungen,
Handgaranten etc. ausgebildet werden, denn es sei nun schon das zweite ‚Un-
glück‘ in Südtirol passiert, als die ‚Bauernburschen‘ übten. Graf lehnte aber
ab. Seither findet die Ausbildung teilweise im südbayrischen Raum durch
bundesdeutsche Staatsangehörige und im Mittelgebirgsraum um Innsbruck
statt.70
Die Finanzierung des Unternehmens war die strittigste Frage, denn die Mittel
flossen anfangs zögerlich. Ende 1959 beschwerte sich Kerschbaumer bei den
Nordtiroler Verbündeten, dass entgegen anderslautender Versprechungen bislang
nur 10.000 Schilling zur Verfügung gestellt worden seien. Pfaundler erklärte darauf,
dass auf Grund seiner und Dr. Oberhammers Bemühungen gegenwärtig ein Betrag
von ca. 1,000.000 zur Verfügung stünde. An dieser Unterredung nahm auch
Molden teil. Der Verleger sorgte für mediale Unterstützung und war einer
der wichtigsten Finanziers. Molden sagte zu Kerschbaumer,
dass er an der Sache Südtirols großen Anteil nehme und dass ein Teil des zur
Verfügung gestellten Geldes von ihm stamme. Er erklärte Kerschbaumer, dass
er die Absicht habe, als Journalist für die Sache Südtirols entsprechend einzu-
treten. Dazu sei es jedoch erforderlich, dass er über die Verhältnisse ziemlich
genau informiert werde. Auf die Frage Kerschbaumers, ob man den Fami-
lien von Südtirolern helfen werde, wenn sich die Männer in Haft befinden,
erklärte Molden dass dies sicherlich der Fall sein werde. […] Pfaundler hat
Kerschbaumer bei diesem Besuch einen Betrag von 100.000 Lire übergeben.71
Ein anderes Mal, am 27. Jänner 1960, statten Klotz und Pfaundler nach der
erwähnten Vorsprache mit Kreisky auch Molden einen Besuch ab. Bei dieser
Gelegenheit zeigte Pfaundler eine Maschinenpistole vor:
Er erklärte, dass er derartige Waffen bereits in der Umgebung von Wien
lagernd habe. Sie seien für die Südtiroler angekauft worden. Weiters sei es
70 A.V. Betr..: Artikel im „Spiegel“ No. 52 (Dez. 1960), 11.1.1961, in: ÖSTA, AdR, BMI,
24.451 – 2B/61.
71 Mappe BAS Informationen – Vertraulich. 1961. StBKA, Südtirol VII. 9, Box 3.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918