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Thomas Riegler
den. Wenn zu diesem Zeitpunkt die Lage so ruhig ist wie bisher, wird man
bei diesen Leuten kaum den erforderlichen Eindruck hinterlassen können.103
Pfaundler informierte die Runde weiters über die unerfreuliche Tatsache,
dass die Innsbrucker Polizei über alle Vorgänge beim BAS informiert sei und dieses
Wissen nach Wien berichte. Molden wie auch Pfaundler erklärten, dass sie sich aus
der Organisation zurückziehen werden und jede finanzielle Unterstützung einstellen
müssten, wenn dies nicht anders werde. Zum wiederholten Male drückten die Ex-
ponenten des Nordtiroler BAS ihre Vorbehalte gegenüber SPÖ-Politikern aus:
Man müsse bedenken, dass das Innen- wie auch das Außenministerium von
Sozialisten geleitet sei, die für eine radikale Lösung des Südtirolproblems
nicht zu gewinnen seien. Sie machen in der Südtirolsache lediglich mit, weil
Südtirol in der Außenpolitik eben Mode sei und sie auch auf diesem Gebiete
der ÖVP den Rang ablaufen wollen. Dr. Kreisky wolle sich darüber hinaus in
der Südtirolsache lediglich in den Vordergrund spielen.104
Dieser Nachsatz unterstreicht, dass das Südtirol-Engagement in Österreich
Teil eines übergeordneten Machtkampfs zwischen SPÖ und ÖVP war bzw.
von diesem wesentlich mitbestimmt wurde: Die Nordtiroler BAS-Mitglieder,
so Steininger, waren überzeugte Parteigänger der ÖVP, „denen es zwar um
Südtirol ging, die aber damit auch einen innenpolitischen Kampf zwischen
den beiden großen Parteien in Österreich verbanden. Kreisky gönnten sie auf
gar keinen Falle einen Erfolg in der Südtirolfrage, und so versuchten sie bei-
nahe alles, um Kontakte des Südtiroler BAS mit der SPÖ zu unterbinden“105.
Am 13. November 1960 fand eine Nachfolgebesprechung in Innsbruck statt.
Molden, der stets auf Aktion gedrängt hatte, ruderte plötzlich zurück:
Es wurde beschlossen, die beabsichtigten Aktionen bis zum Frühjahr zu ver-
schieben, um alles besser zu organisieren und die Bewegung besser aufzubau-
en. Dies vor allem mit Rücksicht auf die UNO-Vollversammlung. Dr. Molden
erklärte, man würde sich dzt. durch solche Aktionen vor der ganzen Welt in
103 Mappe BAS Informationen – Vertraulich. 1961. StBKA, Südtirol VII. 9, Box 3.
104 Ebd.
105 Steininger, Südtirol zwischen Terror und Diplomatie 1947-1969. Band 2: 1960–1962 507.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918