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Was wusste Bruno Kreisky?
geschah es: Man hielt fest, dass die Bundesregierung Anschläge und Gewaltakte,
wo und von welcher Seite immer sie verübt werden mögen, als Mittel des politischen
Kampfes schärfstens verurteilt114. Im Rahmen der Gespräche blieb Kreisky aber
bei einem selbstbewussten Kurs. Italien brach das Treffen am 24. Juni 1961 ab,
nachdem Österreich auf einer Landesautonomie für Südtirol beharrte. Wie
Generalsekretär Fuchs seinem Tagebuch anvertraute, hatten es die BAS-Sym-
pathisanten im Verhandlungsteam – Ermacora, Staatssekretär Gschnitzer
und Legationsrat Dengler – bewusst auf ein Scheitern angelegt, um den Fall
erneut vor die UNO zu bringen:
Waldheim erzählte, dass Gschnitzer und Ermacora (sowie Dengler) alles ge-
tan hätten, um die Verhandlungen zu erschweren. […] Es wird immer deut-
licher sichtbar, dass die Nordtiroler und die Südtiroler Radikalen alles tun,
um das Scheitern der zweiseitigen Verhandlungen zu beschleunigen und um
wieder auf die internationale Ebene zu kommen (am liebsten vor der General-
versammlung!).115
Am 28. November 1961 verabschiedete die UNO-Generalversammlung eine
zweite Resolution, die sich damit begnügte, Österreich und Italien zu wei-
teren Anstrengungen aufzufordern. Denn das internationale Echo auf die
BAS-Anschläge, die entgegen Kerschbaumers Absichten bereits ein Todesop-
fer gefordert hatten, war beschränkt geblieben, wie Fuchs am 24. September
1961 seinem Tagebuch anvertraute:
Kreisky meint auch, die Südtiroler Anschläge hätten in USA wie bei der UNO
keinerlei Eindruck gemacht. Dort sei man stärkerem Tobak gewohnt (Alge-
rien). Es sei auch nicht richtig, dass die Anschläge Österreichs Prestige so
sehr geschädigt hätten. So oder so bestehe für Südtirol in UNO-Kreisen im
Hinblick auf die ernste Weltlage kaum ein Interesse. Man wäre jedenfalls froh,
die Sache loszuwerden, werde aber nicht gegen Österreich einseitig Stellung
nehmen.116
114 Bundeskanzleramt, Sprengstoffanschläge in Südtirol, 14.6.1961. StBKA, Südtirol VII. 9, Box 3.
115 Tagebucheintrag Martin Fuchs vom 19. 6. 1961, in: Steininger, Krisenjahr 376.
116 24.9.1961: Tagebucheintrag Martin Fuchs (Wien), in: Akten zur Südtirol-Politik 1959–
1969. Band 3: 1961. Das Krisenjahr. Zweiter Halbband Juli-Dezember, hrsg. von Rolf Stein-
inger (Innsbruck 2007) 677.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918