Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Page - 487 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 487 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Image of the Page - 487 -

Image of the Page - 487 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text of the Page - 487 -

487 Was wusste Bruno Kreisky? geschah es: Man hielt fest, dass die Bundesregierung Anschläge und Gewaltakte, wo und von welcher Seite immer sie verübt werden mögen, als Mittel des politischen Kampfes schärfstens verurteilt114. Im Rahmen der Gespräche blieb Kreisky aber bei einem selbstbewussten Kurs. Italien brach das Treffen am 24. Juni 1961 ab, nachdem Österreich auf einer Landesautonomie für Südtirol beharrte. Wie Generalsekretär Fuchs seinem Tagebuch anvertraute, hatten es die BAS-Sym- pathisanten im Verhandlungsteam – Ermacora, Staatssekretär Gschnitzer und Legationsrat Dengler – bewusst auf ein Scheitern angelegt, um den Fall erneut vor die UNO zu bringen: Waldheim erzählte, dass Gschnitzer und Ermacora (sowie Dengler) alles ge- tan hätten, um die Verhandlungen zu erschweren. […] Es wird immer deut- licher sichtbar, dass die Nordtiroler und die Südtiroler Radikalen alles tun, um das Scheitern der zweiseitigen Verhandlungen zu beschleunigen und um wieder auf die internationale Ebene zu kommen (am liebsten vor der General- versammlung!).115 Am 28. November 1961 verabschiedete die UNO-Generalversammlung eine zweite Resolution, die sich damit begnügte, Österreich und Italien zu wei- teren Anstrengungen aufzufordern. Denn das internationale Echo auf die BAS-Anschläge, die entgegen Kerschbaumers Absichten bereits ein Todesop- fer gefordert hatten, war beschränkt geblieben, wie Fuchs am 24. September 1961 seinem Tagebuch anvertraute: Kreisky meint auch, die Südtiroler Anschläge hätten in USA wie bei der UNO keinerlei Eindruck gemacht. Dort sei man stärkerem Tobak gewohnt (Alge- rien). Es sei auch nicht richtig, dass die Anschläge Österreichs Prestige so sehr geschädigt hätten. So oder so bestehe für Südtirol in UNO-Kreisen im Hinblick auf die ernste Weltlage kaum ein Interesse. Man wäre jedenfalls froh, die Sache loszuwerden, werde aber nicht gegen Österreich einseitig Stellung nehmen.116 114 Bundeskanzleramt, Sprengstoffanschläge in Südtirol, 14.6.1961. StBKA, Südtirol VII. 9, Box 3. 115 Tagebucheintrag Martin Fuchs vom 19. 6. 1961, in: Steininger, Krisenjahr 376. 116 24.9.1961: Tagebucheintrag Martin Fuchs (Wien), in: Akten zur Südtirol-Politik 1959– 1969. Band 3: 1961. Das Krisenjahr. Zweiter Halbband Juli-Dezember, hrsg. von Rolf Stein- inger (Innsbruck 2007) 677.
back to the  book Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung